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V. Aus dem Weiteren. 67
Machhiavellis, der die Stiefel
So heimtückiſch weiß zu ſohlen,
Daß nach vierundzwanzig Stunden
Sie von neuem ruiniert ſind.
Leer war Portemonnaie und Börſe,
Auch in ſeinem Skizzenbuch lag
Kein Papiergeld mehr verborgen,
Und die Weſtentaſch', wo fröhlich
Der Bajokk' ſonſt vorgeklimpert,
Klang jetzt hohl — doch war's nicht dieſes,
Was ihm ſeine Stirne furchte.
Nein, die Stunde war gekommen,
Wo der Menſch zur Abfahrt rüſtet,
Wo ſelbſt rauhgebeizte Maler
Dem Novemberwind ſich beugen
Und gen Genazzano ſchreiben,
Daß der ſchöne Raganelli
Sie nach Rom zurückbefördre.
Abſchied — Abſchied! bittre Stunde!
Darum brannt' er ſich wehmütig
Einen Scelto an und dampfend,
Während ſchwerer Sturm und Regen
An die mürben Fenſter praſſelt,
Sprach er ſolches:
„Wohl in manche gute Herberg
Kam ich ſchon auf meinen Fahrten,
Hab' an manchem guten Tropfen
Da und dort ſchon mich geletzet,
Stahl mir auch von ſchönem Mund ſchon
Manchen Kuß als Gotteslohn.
Aber nirgend war's ſo wohl, ſo
Waldurſprünglich grundbehaglich
Wie allhier in Caſa Baldi
Ob der Stadt Olevano.
Hochgeſegnet ſei der Biedre,
Der auf ſteilen Sandſteinhügel
Hier ſich einſt die Villa baute,
Wo der Kardinal Borgheſe
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