http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw4/0071
68
Gaudeamus!
In dem ſamtgeſchmückten Armſtuhl
Einſtmals ſeines Rundbauchs pflegte
Und — zwar ſchweiget die Geſchichte,
Doch dem Dichter ziemt Vermutung —
Die ſchwarzbraunen Römerdamen,
Deren Contrafei noch jetzo
Im Salon ſo herrlich pranget,
Kirchenväterlich und würdig
In die Wangen einſtens kniff.
Hochgeſegnet ſei der andre,
Der die wirkliche Beſtimmung
Dieſer Villa tief erfühlend,
Strengerem Privatbeſitze
Sie entzog und menſchenfreundlich
Sie zur Malerherberg' umſchuf.
Denn nur Maler und wem ſonſt noch
Künſtleriſche Adern pulſen,
Wiſſen ihren Wert zu ſchätzen,
Mehr als Scipio Borgheſe,
Kardinal und Arciprete.
Hier im Zentrum der Gebirge
Lauſchet Tag für Tag dem ſtillen
Ewig jungen Herzensſchlage
Der Natur der Eingeweihte,
Und es kreiſen die Gedanken,
Wie die Geier bei San Siſto,
In des Äthers reinen Höhen.
Unter uns, in fernem Nebel,
Liegt der ganze Menſchenkehricht,
Und aus Fels, aus Baum, aus Fernen
Leſen wir die alte Keilſchrift,
Die der Haufe nie verſtehn mag,
Das Geſetz des ewig Schönen.
Wannen werd' ich dieſe Pfade
Wieder klimmen, wo aus grünen
Schattigen Kaſtanienwäldern
Der Serrone ſtolz emporſteigt;
Wo auf altkyklopiſcher Mauer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw4/0071