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Gaudeamus!
Von den Fritti — von den Trauben —
Von den Hühnern — von den Tauben
Einſtmals in Olevano.
O Regino, ſtolzes, dunkles
Kleinod der Sabinerberge,
Warum lebten wir nicht beide
In der Zeit des Frauenraubens
Unter König Romulus?
Bei dem Lob der kunſtverſtändigen
Meiſterin ſei nicht vergeſſen
Sie, die in beſcheidner Sphäre
Reinlich kaum, doch nützlich wirket,
Sie, der nächtlich der Capraro
Scheußlich monotone Weiſen
An das Kammerrfenſter krächzt,
Die dem fremden Gaſt ſo gern ihr
Unerhörtes, ſprachgewalt'ges
'rella mi*)!... entgegenjohlt.
Geltru — Geltru! nimmer wird zwar
Dieſer Sang dein Ohr berücken,
Wie die Lieder des Capraro,
Dennoch ruft er dir: ‚Addio,
Ziegenhirtlich rauh geliebte,
Ritornellbeſungne, kluge
Walterin des Hofs und Stalles,
Braune Tochter Samniums!
Oft noch wecke dich im Schlafe
Deines Landsmanns Klaggeheul:
‚Avete l'occhio nero e il ciglio biondo,
Denti d'avojo e labbra di corallo,
Siete la maraviglia del mondo.:
. . . Selbſt das Kind, die pockennarbige
Lala mit der rauhen Stimme,
Die ſo ganz unſalonmäßig
Sich uns oft entgegentummelt,
Hat auf einen Platz in unſerm
Herzen einen vollen Anſpruch.
*) Poverella me! O ich Arme! ſcherzhaft wehklagend.
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