http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw4/0074
V. Aus dem Weiteren. 71
Denn ſie trug ſo manchen großen
Ungemiſchten Krug vom Keller,
Und ſie lachte mit dem ganzen
Elfenbein der weißen Zähne:
‚Trinkaswein alla tedesca!“
Wannen endlich werd' ich wieder
Solch ein Häuflein treuer, biedrer
Farbenkundiger deutſcher Meiſter,
Wie allhier, beiſammen finden?
Deutſchen Fleiß und deutſches Streben,
Deutſche Kunſt im welſchen Bergland!
Manchen ſeh' ich, der die Träne
Einſt im Aug' zerdrücken wird,
Wenn er, roſtend in der Heimat,
Seine Mappen wieder öffnet
Und die Bilder dieſes Herbſtes
Farbreich vor ihm auferſtehn:
Der Mamellen feine Ründung,
Civitellas Kalkfelskämme,
San Francescos Kloſtertälchen;
Pagliano, Volskerberge,
Die Kaſtanien von Rojate
Und der Serpentara kühne,
Immergrüne Eichwaldpracht!
... Lebt nun wohl! Die Zithern ſchweigen,
Nimmer lockt des Tamburin Schlag
Uns zum kecken Saltarello;
Einmal nur wird unſer Lied noch
Im Olivenhain erklingen,
Aber klagend, denn der Text heißt:
‚Muß i denn zum Städtle naus!“
Und dieweil ein deutſch Gemüte
Innerſten Gedankens Ausdruck
Gern im Weine ſucht und findet,
Füll' ich mir zum letztenmal das
Glas mit dieſem dunkelroten:
‚Dir gilt's, Hochland der Sabiner!
Dir gilt's, wackere Regina,
Dir, Bergneſt Olevano!“
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw4/0074