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Gaudeamus!
Doch wo der Meiſter Joſephus ſteckt,
Weiß keiner mir zu künden.“
Und als man rüſtet auf Weihnachtzeit,
Da war der Rhein gefroren,
Da ſtund ein Mann in Pilgramskleid
Wohl vor des Pfarrhofs Toren:
„Herr Pfarr', Ihr ſollt mir Indulgenz
Und ſollt mir Ablaß ſpenden,
Daß ſich mein arm trübtraurig Herz
Zu neuer Freud' mag wenden.
Herr Pfarr', es war nicht wohlgetan,
Vom rheiniſchen Land zu ſcheiden,
Man trifft halt doch kein zweites an,
So weit man auch mag reiten.
Bis hundert Stunden hinter Lyon
Bin ich ins Frankreich kommen,
Manch gutes Frühſtück von Auſtern und Sekt
Hab' ich zu mir genommen.
Ich hab' zu Marſeille im Café Türk
Unter Heiden und Mohren geſeſſen,
Ich hab' am Pyrenäengebirg
Lauch und Garbanzos gegeſſen.
Noch ſauſt der Kopf mir, wenn ich gedenk
Der Seealpenmaid Filumene:
Zigeunerbraun Antlitz, kohlſchwarzkraus Haar,
Wie Elfenbein glänzend die Zähne.
Doch verpecht und verſchwefelt iſt alles Land
Ohne Freunde und Lieder der Liebe;
Vom Fieber geſchüttelt und abgebrannt
Kehr ich heim aus dem fremden Getriebe.“
Der Pfarr' von Aßmannshauſen ſprach:
„Wohlauf, bußfertige Seele,
Mit unſerm altheiligen Purpurwein
Salbe dir Lippen und Kehle.
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