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V. Aus dem Weiteren. 77
Zu demſelbigen Wein drei Tag, drei Nacht
In dunkelen Keller dich ſchließe
Und halt bei den Fäſſern trinkend Wacht,
Daß Gnade ſich über dich gieße.
In Krone und Anker ergib dich ſodann
Den geiſtlichen Übungen fleißig
Und erſt bei des nächtlichen Wächters Nahn
Dem Chorgeſange entreiß dich.
Dann wird der Himmel ein Zeichen tun,
Er läßt keinen Büßer verderben:
Ein lichtes Weingrün, ein dunkles Rot
Wird Naſe und Stirn dir färben.
Und prangt dein Geſicht in ſolchem Ton,
Dann wird dein Trübſinn ſich hellen,
Dann magſt du, o lang verlorener Sohn,
Den alten Freunden dich ſtellen.
Wir ſind die Alten; noch klingen beim Wein
Die Lieder von damals zu Berge,
Vom „Spatzen und vom „Stieglitz fein“
Und derſommerverkündenden Lerche'.
Wir ſind die Alten, wir haben dich gern;
Laß das Herz nicht von Kummer umnachten:
Und hätt'ſt du noch ärger geſchwärmt in der Fern',
Ein Kalb auch würden wir ſchlachten.“
Da ſeufzte der Pilgram mit Tränen im Aug':
„O Pfarr' von Aßmannshauſen,
Wie Ihr, gottwohlgefälliger Mann,
Sprach keiner mit mir da draußen.
Nun ſtoß' ich meinen dürren Stab
In dieſe geweihte Erde,
Daß er in neuem Blatt und Laub
Ein Schattendach mir werde.
Nun ſtröme, du rheiniſch Traubenblut,
Du Hort unſäglicher Gnaden;
In deiner verjüngenden Feuerflut
Will ich geſund mich baden.“
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