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V. Aus dem Weiteren. 79
Oft hat mir's auf das Haupt geſchneit,
Seit jener Lenz verblühte.
Und darf ich einſt vor deinem Dach
Spät wiedrum Anker legen:
Fliegſt du wohl ſelbſt als alter Drach'
Dem deutſchen Freund entgegen.
Der Grindwalfang an den Färöerinſeln.
Was rennt das Volk an Torhav'ns Strand,
Als drohten Korſaren mit Einbruch dem Land,
Was ſchwingt es Spieße und Stangen?
Die Färinger heben ein Kampfſpiel heut an,
Heut füllen mit Speck ſich die Tonnen und Tran,
Den Grindwal wollen ſie fangen.
Fern tanzt ein Boot auf der bläulichen Flut,
Laut ſchallt ſein Signalruf: „Grindabud!“
„Der ſchwarze Wal kommt gezogen!“
Und „Grindabud“ ruft es aus jeglichem Mund,
Hinaus itzt in ſonnheller Morgenſtund'
Zur Hetzjagd auf ſchäumenden Wogen!
Von Küſte zu Küſte fliegt hurtig die Mär,
Des Nachbardorfs Segel erglänzen im Meer,
Rings ſteigen die Feuerſäulen;
„Schafft Walfiſchmeſſer, ſchafft Schnüre mit Blei,
Schafft Lanze und Axt und Harpune herbei,
Friſch zu! heut gilt kein Verweilen.“
Und alt und jung kommt gerüſtet zum Streit,
Selbſt der dicke Amtmann macht ſich bereit
Und verläßt ſeine friedlichen Tiſche.
Nur die Frau'n und der Prediger bleiben zu Haus,
Man fürchtet, es breche ſchlimm Wetter ſonſt aus
Und ihr Nahen verſcheuche die Fiſche.
Nach wenig Minuten, bewehrt und bemannt,
Stößt ein Dutzend Boote vom felſigen Strand
Und ſchießt pfeilſchnell durchs Gewäſſer.
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