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V. Aus dem Weiteren. 81
Scharf ſauſt die Harpune! .. . noch eine! ... glückauf,
Gedoppelter Blutſtrahl ſteigt ſenkrecht herauf,
Wild taucht der Getroffne zum Grunde.
Jetzt windet die Leine und rudert zum Land!
Haleya! wie rennen ſie feſt ſich am Sand,
Wie klafft vom Speerwurf die Wunde!
Verraten mühn ſich in ſeichter Bucht
Die rieſigen Tiere. Unmöglich die Flucht,
Geſtrandet ſind all und gefangen.
Boot drängt ſich auf Boot in kampfgieriger Eil',
Die Lanze ſchwirrt, dumpf hallt das Beil,
Rot ſchäumt's um die Ruderſtangen.
Schon färbt ſich Torhav'ns durchſichtige Flut
Tief dunkelrot von der Opfer Blut,
Des Mitleids iſt heute vergeſſen.
Blind dringen all auf den Haufen ein
Und ſtechen und hauen und toben und ſchrein,
Vom Dämon des Mordens beſeſſen.
Schlachtarbeit links, Schlachtarbeit rechts!
Ein jeder in ſteigender Wut des Gefechts
Wird kühner und unbekümmert,
Ob zuckend in eiſenverſchluckender Not
Der Wal das kecklich ihm nahende Boot
Mit wuchtigem Schwanzſchlag zertrümmert.
Was tut's! Sie ſpringen bis unter den Arm,
In die Flut und mitten hinein in den Schwarm,
Den Sterbenden weiter zu hetzen.
Schon taumelt er matter im Kreiſe umher,
Die Augen geblendet vom bluttrüben Meer,
. . . Sein Speck muß das Fahrzeug erſetzen.
Und fruchtlos ſchnaubt im Verenden der Wal
Als blutigen Regen des Naslochs Strahl
Dem Feind auf Geſicht und Gewandung.
Sie hauen ihm eiſerne Haken ins Maul
Und feſtigen dran der Stricke Knaul
Und ſchleifen ihn feſt durch die Brandung.
Scheffel. IV. 6
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