Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 4: Gaudeamus)
[1916]
Seite: 85
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V. Aus dem Weiteren. 85

An dieſen ſenkrecht ſteilen Rändern
Braucht's ſichern Tritt und mannlich Herz.
Weh allen Krinolingewändern! ...
Der Blick verſtürzt ſich abgrundwärts.
Gäh ſchwebt der Aufſtieg und verwittert,
Und ſchwer iſt's, am Geländer gehn;
Wer keuchend in den Knien zittert,
Tut beſſer, es gemalt zu ſehn.

Auf fünfzig mürben Sandſteinſtufen
Erklommen wir den Gipfel ſtramm
Und grüßten laut mit Willkommrufen
Des Himmels Blau vom ſchmalen Kamm.
Hocheinſam war's. Die wilde Taube
Entfloh dem Neſt, vom Gruß verſcheucht,
Licht ſchien der Frühling rings im Laube,
Und ſeine Nebel wallten feucht.

Seltſam Gefühl auf ſolchem Riffe
Von freiem Schweben ob der Kluft,
Als wandle ſich die Burg zum Schiffe
Und treibe ſchwankend durch die Luft:
Als Maſt der Turm mit hohen Rüſtern,
Als Deck des Felskamms ſchmaler Horſt,
Als Wellenſchlag des Hochwalds Flüſtern,
Als Meer der weite grüne Forſt.

Wen echter Schwindel ſo bezwungen,
Dem fällt betäubt nichts andres ein,
Als Meiſter Gottfried ſchon geſungen:
„Sie ſlichen wieder in ihr ſtein.“
Da wölbt, zyklopiſch anzuſchauen,
Als Kammer ſich ein ſchmal Gemach;
Ein einziger Pfeiler, grob behauen,
Trägt wuchtig alles Felſendach.

Hier in den langverlaßnen Mauern,
Die Moder weißlich überflog,
War'’s, daß der Urzeit heilig Schauern
Noch einmal durch die Trümmer zog.
Ein Gang fuhr auf: — in fernen Tiefen
Erſchienen drei von Reckenart,


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