Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 4: Gaudeamus)
[1916]
Seite: 90
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Gaudeamus!

Zeugnis ewig jungen Frühlings
Und uralter Weltkultur;
Wo itzt Flocken niederwirbeln
Auf die wohldurchblümte Au,
Pflanzte einſt ihr Saffrangärtlein
Eine kluge Römerfrau.

Saft den Süpplein ihrer Küche,
Herzarznei für böſe Sucht,
Dunkeln Locken Wohlgerüche
Zog ſie aus der edeln Frucht.
Und im Anhauch dieſer Blume
Schritt ſie, wenn der Frühling nah,
Opfernd zu dem Heiligtume
Der Diana Abnoba.

Rippoldsau.

„Curae vacuus huno locum adeas, ut
curae vacuus abire possis, nam non
curatur, qui curat.“

Alter Badspruch.

Im Schwarzwald vor viel hundert Jahr
Im engen Tal ein Klöſterlein war,
Drin hauſten viel andächtige Brüder
Und ſangen Pſalmen und Bußelieder;
Der Frömmſte von der frommen Herde
War Bruder Rippold, der Vielgelehrte.
Der ſaß und ſaß in ſeiner Zell'
Und rührte ſich nicht von der Stell',
Wollt' alles wiſſen, was heilige Schrift
Und Gott und die Welt und die Menſchheit betrifft.

Oft ſaß er noch beim Lampenſchein
Des Nachts auf harter Holzbank allein
Und legt' die Bücher nicht aus der Hand,
Bis bleiern der Schlaf ihn übermannt.
Allein, ſo wie es oftmals ergeht,
Zu vieles Brüten den Menſchen verdreht,
Sein Blick ward träg, ſein Kopf ward ſchwer,

Als wenn ein Brett dran genagelt wär',


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