Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 4: Gaudeamus)
[1916]
Seite: 91
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V. Aus dem Weiteren. 91

Und in einſamen Stunden, ſtatt ſich zu erfreu'n,
Bildet' er die törichſten Sachen ſich ein.
Wenn er mal tüchtig nießen mußt',
Glaubt' er, es fehl' ihm auf der Bruſt;
Verſetzt' ihm Einer einen Naſenſtüber
Vermeint' er, es gäbe das Nervenfieber,
Und hatt' eine Mück' ſich aufs Haupt ihm geſetzt,
Gedacht' er ſich ſchon zum Tode verletzt.

So ſchuf er mit Mißtraun und Krittligkeit
Dem ganzen Kloſter Verdrießlichkeit,
Bis endlich der Abt am Verſammlungstag
Mit gerunzelter Stirne ſolches ſprach:

„Wohl weiß ich, es hat jeder Menſch in dem Stillen
Seine eigenen Mücken und Käfer und Grillen,
Doch wie Ihr's treibt, Herr Rippold, ſo iſt's nicht erlaubt,
Ihr habt wahrhaftig Hornſchröder im Haupt!
In der Einöde draus mögt Ihr gehen ſpazieren
Und mit fixen Ideen den Wald ennuieren,
Aber unſer Konvent iſt kein Narrenhaus,
Ihr müßt noch heut aus dem Kloſter hinaus!“
Da faßten die Brüder Herrn Rippold ſchnelle
Und ſetzten ihn jäh vor die Gotteshausſchwelle
Und warfen ihm noch, mit böſem Gelach,
Brevier und Brotſack zum Fenſter nach.

. . . Wo jetzt ein wohlerbaut Badehaus prangt,
War alles Wildnis. Von Dornen umrankt,
Stand dunkel und finſter der Tannenwald,
Des wildſten Getieres Aufenthalt,
Und ungeſtört von verderblicher Jagd
Sagten Füchſe und Eulen ſich dort gute Nacht.

Betrübt zog dort der Herr Rippold ein,
Ihn freute nimmer der Sonnenſchein,
Und ſelber die herrliche Waldesluft
Erſchien ihm wie Moder und Leichenduft.
Nur im dickſten Dickicht gefiel es ihm recht
Wie einer Kreuzſpinn' in ihrem Geflecht,
Und verdrießlich brummt' er in langen Bart:


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