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Gaudeamus!
Fuhr wieder zu Berge, ſtark und groß
Und blühte als wie eine Frühlingsroſ'.
Und item es dauerte wieder nicht lang,
Tönt' feſtlich im Tale der Glockenklang.
„Was wallt dort zum Klöſterle?“ Mancher frug,
Und die Antwort war: „ein Hochzeitzug.“
Am Portale ſtund mit den Brüdern der Abt
Im vollen Ornate, beringt und beſtabt,
Und ſprach: „O Rippold, geprüfter Mann,
An dir hat der Himmel ein Zeichen getan,
Und weil du, der leidenden Menſchheit zum Frommen,
Der Quelle zuerſt auf die Spur biſt gekommen,
Sollſt du, befreit von Gelübde und Zwang,
Die Au dort verwalten dein Leben lang,
Sollſt Herberg' halten für Männer und Frau'n,
Sollſt Stuben zum Trinken und Baden erbau'n,
Sollſt alles, was dienlich, ſchaffen heran,
Selbſt Damenſalon und Kegelbahn.“
Und wieder erklangen die Glocken gar traut,
Da kniete Herr Rippold mit ſeiner Braut,
Da ſprach der Abt am geſchmückten Altar
Seinen Segen über ein glückliches Paar,
Und gab ſie zuſammen als Mann und Frau...
Das iſt die Geſchichte von Rippoldsau.
Die Schweden in Rippoldsau.
Vor zweihundert Jahren — wem iſt's nicht bekannt? —
Ertobte der Krieg im deutſchen Land,
Die Schweden und die vom Wallenſtein
Schlugen einander die Schädel ein,
Und dauerte über dreißig Jahr,
Bis die Schlachtenfurie verbrauſet war.
Doch das friedliche Rippoldsauer Tal
Blieb verſchont von des Krieges Gewitterſtrahl,
Und mancher, dem kranken Leib zum Frommen
Iſt, Heilung ſuchend, zur Quelle gekommen.
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