Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,mi-4/6
Scheffel, Joseph Victor von; Franke, Johannes [Hrsg.]
Joseph Victor von Scheffels sämtliche Werke: mit acht Kunstbeil. nach Gemälden von E. Grützner, A. Liezen-Mayer, Anton von Werner u.a., einer Kt. u. drei Handschriften (Bd. 4: Gaudeamus)
[1916]
Seite: 97
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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V. Aus dem Weiteren. 97

Man lebte damals ſchier ſo wie jetzt,
Man hat ſich mit mancherlei Kurzweil ergötzt,
Ein trefflicher Badewirt ſorgte wie heut
Für gute Herberg und Schnabelweid.

Man ſchlürfte die Quelle und ſprach nur wenig
Von Papſt und Kaiſer und Schwedenkönig.
Die Alten tranken und rauchten Tabak,
Die Jungen fanden am Ballſpiel Geſchmack,
Die Damen in Reifrock und hoher Krauſe
Scherzten und lachten beim Mittagsſchmauſe,
Und abends tanzte man zierlich und nett
Auch ein ſteif graziöſes Menuett.

Die Badmuſik war in vorzüglichen Händen,
Sechs Mann mit verſchiedenen Inſtrumenten
Spielten rüſtig und unverdroſſen drauf los,
Und war ſchier jeder ein Virtuos.
Da begab ſich's im dreiundvierziger Jahr,
Daß Herr Johann Petzold Baßgeiger war,
Der hing eines Abends im Monat Auguſt
Seine Geig auf den Rücken mit großer Luſt
Und ſtieg auf die Holzwälder Höhe empor,
Um unbelauſcht von der Badgäſte Ohr
Ein neues Adagio einzuſtudieren,
Womit er am Sonntag wollt' exzellieren.
Denn für des Brummbaſſes dröhnend Walten
Iſt's beſſer, einſame Proben zu halten;
Die Baßgeige lieben viele Perſonen,
Mögen doch nicht neben dem Baßgeiger wohnen.

Drum kam Herr Petzold mit Cello und Bogen
Hinauf in den luftigen Tannwald gezogen
Und ſchaute weit in die Lande hinein
Bis zum Straßburger Münſter am glitzernden Rhein,
Er ſuchte ein ſchattiges Plätzlein im Mooſe
Bei Farrnkraut und duftiger Weidenroſe;
Hell klang in die Waldesſtille und froh
Sein funkelneues Adagio.

Doch wie's ſo recht voll in den Saiten rauſchte,
Da ſpitzt' er auf einmal die Ohren und lauſchte;
Scheffel. IV. 7


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