http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw4/0101
98
Gaudeamus!
„Zum Teufel, was hör' ich, was hat ſich gerührt?
Ich werd' aus der Ferne akkompagniert!
Trom trom! trom trom! trari, trara!
Nun hilf uns, heilige Cäcilia!“
Herr Petzold hatte in früheren Tagen
Bei Pappenheims Reitern die Pauke geſchlagen;
Seit der Lützner Affäre kannt er den Ton:
„So trommt und trompetet der Torſtenſon!
Trom trom! trom trom! trari, trara!
O heil'ge Cäcilie, der Schwed iſt da!“
Herr Petzold hat keine Silb' mehr geſprochen;
Aufſprang er, wie von der Tarantel geſtochen,
Und ſchultert die Baßgeig' und ſah nicht mehr um,
Vergaß ſelbſt ſein gelb Kolophonium,
Ließ Noten zurück und Sacktuch und Kapp'
Und ſprang wie beſeſſen den Tannwald hinab.
„Gut Nacht, Adagio und Bademuſik!
Gut Nacht, der Petzold kommt nimmer zurück!“
Im Bad indes hatte niemand Kunde,
Was Herr Petzold erlauſcht in jener Stunde,
Es kamen, wie ſonſt, die Herren und Damen
Im Speiſeſaal zum Souper zuſammen.
Der Expeditor bracht' an Paket und Brief,
Was mit der Wolfacher Poſt einlief.
Auch von Freiburg der alte Herr Kreispräſident
Erhielt ein geſiegelt Pergament,
Und man bemerkte, daß etwas blaß
Seine Züge wurden, als er es las;
Es ſcheint, auch in dieſer Epiſtola
Stand was von trom trom und trari trara!
Denn er flüſterte Frau und Tochter was zu
Und rief auch plötzlich den Badwirt herzu
Und ſprach: „Ich verreiſe früh morgen um vier,
Beſorgen Sie ſchnell einen Wagen mir!“
Und wiewohl kopfſchüttelnd der Badwirt ſprach:
„Sie haben beſtellt ja für dreißig Tag
Die Wohnung und ſind erſt ſeit heut im Quartier,“
Erwidert' er: „Dennoch verreiſ' ich von hier!“
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw4/0101