Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0014
14 Erſtes Kapitel.

bei jener Umwälzung mitleidlos vernichtet wurden; nur die
Berge ſtehen noch immer, ohne Zuſammenhang mit ihren Nach⸗
barn, einſam und trotzig wie alle, die mit feurigem Kern im
Herzen die Schranken des Vorhandenen durchbrechen, und ihr
Geſtein klingt, als ſäße noch ein Gedächtnis an die fröhliche
Jugendzeit drin, da ſie zuerſt der Pracht der Schöpfung ent⸗
gegen gejubelt.
Zur Zeit, da unſere Geſchichte anhebt, trug der hohe Twiel
ſchon Turm und Mauern, eine feſte Burg. Dort hatte Herr
Burkhard gehauſt, der Herzog in Schwaben. Er war ein feſter
Degen geweſen und hatte manchen Kriegszug getan; die Feinde
des Kaiſers waren auch die ſeinen, und damit gab es immer
Arbeit: wenn's in Welſchland ruhig war, fingen oben die Nor⸗
männer an, und wenn die geworfen waren, kam etwann der
Ungar geritten, oder es war einmal ein Biſchof übermütig oder
ein Grafe widerſpänſtig; — ſo war Herr Burkhard zeitlebens
mehr im Sattel als im Lehnſtuhl geſeſſen. Demgemäß iſt er⸗
klärlich, daß er ſich keinen ſanften Leumund geſchaffen.
In Schwaben ſprachen ſie, er habe die Herrſchaft geführt,
ſo zu ſagen als ein Zwingherr, und im fernen Sachſen ſchrieben
die Mönche in ihre Chroniken, er ſei ein kaum zu ertragender
Kriegsmann geweſen ¹).
Bevor Herr Burkhard zu ſeinen Vätern verſammelt ward,
hatte er ſich noch ein Ehgemahl erleſen. Das war die junge
Frau Hadwig, Tochter des Herzogs in Bayern. Aber in das
Abendrot eines Lebens, das zur Neige geht, mag der Morgen⸗
ſtern nicht freudig ſcheinen. Das hat ſeinen natürlichen
Grund?²). Darum hatte Frau Hadwig den alten Herzog in
Schwaben genommen ihrem Vater zu Gefallen, hatte ihn auch
gehegt und gepflegt, wie es einem grauen Haupt zukam, aber
wie der Alte zu ſterben ging, hat ihr der Kummer das Herz
nicht gebrochen.
Da begrub ſie ihn in der Gruft ſeiner Väter und ließ ihm
von grauem Sandſtein ein Grabmal ſetzen und ſtiftete eine
ewige Lampe über das Grab, kam auch noch etliche Male zum
Beten herunter, aber nicht allzu oft.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0014