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16 Erſtes Kapitel.
ſolcher Tage rühre gewöhnlich davon her, daß man frühmorgens
mit dem linken Fuß zuerſt aus dem Bett geſprungen ſei, was
beſtimmtem Naturgeſetz zuwider.
Die Herzogin hatte heut ihren Tag. Sie wollte zum Fenſter
hinausſchauen, da blies ihr ein feiner Luftzug den Nebel ins
Angeſicht; das war ihr nicht recht. Sie hub einen zürnenden
Huſten an. Wenn Sonnenſchein weit übers Land geglänzt hätte,
ſie würde auch an ihm etwas ausgeſetzt haben.
Der Kämmerer Spazzo war eingetreten und ſtand ehrerbietig
am Eingang. Er warf einen wohlgefälligen Blick auf ſeine Ge⸗
wandung, als wär' er ſicher, ſeiner Gebieterin Augen heut
auf ſich zu lenken, denn er hatte ein geſtickt Hemde von Glanz⸗
leinwand angelegt und ein ſaphirfarbiges Oberkleid mit pur⸗
purnen Säumen, alles nach neuſtem Schnitt; erſt geſtern war
des Biſchofs Schneider von Konſtanz damit herübergekom⸗
men ⁴).
Der Wolfshund deſſen von Fridingen hatte zwei Lämmer
der Burgherde zerriſſen, da gedachte Herr Spazzo pünktlichen
Vortrag zu erſtatten und Frau Hadwigs fürſtliches Gutachten
einzuholen, ob er in friedlichem Austrag ſich mit dem Herrn
des Schädigers vergleichen oder am nächſten Gaugericht Wehr⸗
geld und Buße einklagen ſolle?). Er hub ſeinen Spruch an.
Aber eh' und bevor er zu Ende gekommen, ſah er, daß ihm die
Fürſtin ein Zeichen machte, deſſen Bedeutung einem verſtändi⸗
gen Mann nicht fremd bleiben konnte. Sie fuhr mit dem Zeige⸗
finger der Rechten erſt nach der Stirn, dann wies ſie mit
gleichem Finger nach der Tür. Da merkte der Kämmerer, daß
es ſeinem eigenen Witz anheimgeſtellt ſei, nicht nur den Beſcheid
wegen der Lämmer zu finden, ſondern auch ſich mit möglichſter
Beſchleunigung zu entfernen. Er verbeugte ſich und ging.
Mit heller Stimme rief Frau Hadwig jetzt: Praxedis! —
Und wie's nicht alſogleich die Stufen zum Saal heraufhuſchte,
rief ſie noch einmal ſchärfer: Praxedis!
Es dauerte nicht lange, ſo ſchwebte die Gerufene ins Kloſet
herein. “”
Praxedis war der Herzogin in Schwaben Kammerfrau, von
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