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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0019
Hadwig, Herzogin von Schwaben. 19

Prinzen Konſtantin lag dort, zierlich, geleckt und ſonder Geiſt
vom Byzantiner Meiſter auf Goldgrund gemalt.
Praxedis, ſprach Frau Hadwig, wie wär's geworden, wenn
ich deinem ſpitznaſigen, gelbwangigen Prinzen die Hand ge⸗
reicht hätte?
Meine Herrin, war Praxedis' Antwort, es wäre ſicher gut
geworden.
Ei, fuhr Frau Hadwig fort, erzähl' mir etwas von deiner
langweiligen Heimat, ich möchte mir gern vorſtellen, was ich
für einen Einzug in Konſtantinopolis gehalten hätte.
O Fürſtin, ſprach Praxedis, meine Heimat iſt ſchön — weh⸗
mütig ließ ſie ihr dunkles Aug' in die neblige Ferne gleiten —
und ſolch trüber Himmel wenigſtens wär' Euch am Ufer des
Marmormeers für immer erſpart. Auch Ihr hättet den Schrei
des Staunens nicht unterdrückt, wenn wir auf ſtolzer Galeere
daher gefahren wären: an den ſieben Türmen vorbei, da heben
ſich zuerſt die glänzenden Maſſen, Paläſte, Kuppeln, Gottes⸗
häuſer, alles im blendend weißen Marmor aus den Brüchen
der Inſel Prokonneſos, groß und ſtolz ſteigt die Lilie des
Meeres aus dem blauen Grund auf, dort ein dunkler Wald
von Zypreſſen, hier die rieſige Wölbung der hagia Sophia, auf
und ab das weite Vorgebirg des goldenen Horns; genüber am
aſiatiſchen Geſtade grüßt eine zweite Stadt, und als blau⸗
goldener Gürtel ſchlingt ſich das ſchiffbelaſtete Meer um den
Zauber — o Herrin, auch im Traum vermag ich hier im ſchwä⸗
biſchen Land den Glanz jenes Anblicks nicht wieder zu ſchauen.
Und dann, wenn die Sonne niedergeſtiegen und über flim⸗
mernden Meereswellen die ſchnelle Nacht aufgeht, der Königs⸗
braut zu Ehren alles im blaufahlen Glanz griechiſchen Feuers,
— jetzt fahren wir in Hafen ein, die große Kette, die ihn ſonſt
abſperrt, löſt ſich dem Brautſchiff, Fackeln ſprühen am Ufer,
dort ſteht des Kaiſers Leibwache, die Waräger mit ihren zwei⸗
ſchneidigen Streitäxten und die blauäugigen Normänner, dort
der Patriarch mit zahlloſen Prieſtern, überall Muſik und Jubel⸗
ruf, und der Königsſohn im Schmucke der Jugend empfängt die
Verlobte; nach dem Palaſt von Blacharnae wallt der Feſtzug ...
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