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Hadwig, Herzogin von Schwaben. 21
lange Zeit her, aber Herr Michael Thallelaios hat wenig Gutes
von Euch geſprochen. Die ſchönſten Farben habe er bereit ge⸗
halten, ſo erzählt' er uns, und die feinſten Goldblättchen, Ihr
ſeiet ein reizend Kind geweſen, wie man Euch zum Gemalt⸗
werden vor ihn führte, und es hab' ihn feierlich angemutet, als
ſollt' er ſeine ganze Kunſt zuſammennehmen, wie damals, als
er die Mutter Gottes fürs Athoskloſter malte. Aber die Prin⸗
zeſſin Hadwig hätten geruht, die Augen zu verdrehen, und wie
er eine beſcheidene Einwendung erhoben, hätten Eure Gnaden
die Zunge gewieſen und beide Hände mit geſtreckten Fingern an
die Naſe gehalten und in anmutig gebrochenem Griechiſch ge⸗
ſagt, das ſei die rechte Stellung.
Der Herr Hofmaler nahm Veranlaſſung, vieles über den
Mangel an Bildung in deutſchen Landen dran zu knüpfen, und
hat einen hohen Schwur getan, daß er zeitlebens dort kein
Fräulein mehr malen wolle. Und der Kaiſer Baſilius hat auf
den Bericht hin grimmig in den Bart gebrummt... 8)
Laß Seine Majeſtät brummen, ſprach die Herzogin. Und
flehe zum Himmel, daß er jeder andern die Geduld verleihen
möge, die mir damals ausging. Ich habe noch nicht Gelegen⸗
heit gehabt, einen Affen zu ſehen, aber allem zufolge, was
glaubwürdige Männer erzählen, reicht Herrn Michaels Ahnen⸗
tafel zu jenen Mitgliedern der Schöpfung hinauf.
Sie hatte inzwiſchen die Armſpange angelegt, es waren zwei
ineinander verſtrickte Schlangen, die ſich küſſen ⁹²), jede trug ein
Krönlein auf dem Haupt. Da ihr unter dem vielen Geſchmucke
jetzt ein ſchwerer ſilberner Pfeil unter die Hände geraten war,
ſo mußte auch er ſeinen Aufenthalt im Gefängnis des Schreins
mit anderem Platze vertauſchen. Er ward durch die Maſchen
des goldfadigen Haarnetzes gezogen.
Als wolle ſie des Schmuckes Wirkung prüfen, ging Frau
Hadwig mit großen Schritten durchs Gemach. Ihr Gang war
herausfordernd. Aber der Saal war leer; ſelbſt die Burgkatze
war von dannen geſchlichen. Spiegel waren keine an den Wän⸗
den. Der Zuſtand wohnlicher Einrichtung überhaupt ließ da⸗
mals manches zu wünſchen übrig.
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