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22 Eriſtes Kapitel.
Praxedis' Gedanken waren noch bei der vorigen Geſchichte.
Gnädige Gebieterin, ſprach ſie, er hat mich doch gedauert.
Wer? L
Des Kaiſers Sohn. Ihr ſeid ihm im Traum erſchienen,
ſagte er, und all ſein Glück hab' er von Euch erhofft. Er hat
auch geweint...
Laß die Toten ruhen, ſprach Frau Hadwig ärgerlich. Nimm
lieber die Laute und ſing mir das griechiſche Liedlein:
Könſtantin, du armer Knabe,
Konſtantin, und laß das Weinen!
Sie iſt zerſprungen, war die Antwort, und alle Saiten zu
Grund gerichtet, ſeit die Frau Herzogin geruhten, ſie ...
Sie dem Graf Boſo von Burgund an Kopf zu werfen, er⸗
gänzte Hadwig. Dem iſt nicht zu viel geſchehen, 's war gar
nicht notwendig, daß er uneingeladen zur Leichenfeier Herrn
Burkhards kam und mir Troſt zuſprechen wollte, als wär' er
ein Heiliger. Laß die Laute flicken.
Sag' mir indes, du griechiſche Goldblume, warum hab' ich
heut den feſtlichen Schmuck angelegt?
Gott iſt allwiſſend, ſprach die Griechin, ich weiß es nicht. Sie
ſchwieg. Frau Hadwig ſchwieg auch. Da trat eine jener ſchwü⸗
len inhaltsvollen Pauſen ein, wie ſie der Selbſterkenntnis vor⸗
angehen. Endlich ſprach die Herzogin: Ich weiß es auch nicht!
Sie ſchlug mißmutig die Augen nieder: Ich glaube, es ge⸗
ſchah aus langer Weile. Der Gipfel unſeres Hohentwiel iſt aber
auch ein gar zu betrübtes Neſt — zumal für eine Witib. Pra⸗
xedis, weißt du ein Mittel gegen die lange Weile?
Ich hab' einmal von einem weiſen Prediger gehört, ſprach
Praxedis, es gäb' mannigfalte Mittel dawider: Schlafen, Trin⸗
ken, Reiſen — das beſte ſei Faſten und Beten.
Da ſtützte Frau Hadwig ihr Haupt auf die lilienweiße Hand,
ſah die dienſtbereite Griechin ſcharf an und ſprach: Morgen
reiſen wir!
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