http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0036
36 Drittes Kapitel.
Abend die ſchuldigen Hühner ³⁴) zu Ausſchmückung der Mahl⸗
zeit ſchicken, und ſollt einen guten Biſſen Wildbret beſchaffen.
Deß war Romeias zufrieden. Es fügte ſich nicht zum erſten
Male, daß er das Gaſthuhn zu heiſchen ging, und die Meier
und Kellerer auf den Höfen duckten ſich des Romeias Worten,
denn er hatte eine kräftige Sprache zum Anbefehlen. Des
Weidwerks aber freute er ſich zu jeder Zeit. Darum nahm
Romeias ſeinen Jagdſpieß, hing die Armbruſt über und wollte
gehen, ein Rudel Hunde zu löſen. Gerold, der Schaffner, aber
zupfte ihn am Gewand und ſagte: Romeias, noch etwas! Ihr
ſollet auch der Herzogin Frauenzimmer, denen der Eintritt
verwehrt iſt, hinauf ins Schwarzatal führen und der frommen
Wiborad vorſtellen, daß ſie bei ihr Kurzweil finden, bis der
Abend kommt. Und ſollet fein artig ſein, Romeias, es iſt eine
Griechin dabei mit gar dunkeln Augen ...
Da legten ſich drei tiefe Falten um Romeias Stirn, und
er ſtieß den Jagdſpieß auf den Boden, daß es klirrte: Weiber⸗
völker begleiten?! rief er, — dazu iſt der Wächter am Tor des
heiligen Gallus nicht nutz! G
Gerold aber nickte ihm bedeutungsvoll zu und ſprach: Ihr
müßt's verſuchen, Romeias. Iſt's nicht ſchon zugetroffen, daß
Wächter, die ihren Auftrag getreulich erfüllten, des Abends
einen großen Steinkrug Kloſterwein in ihrem Stüblein vor⸗
fanden? Hallo, Romeias!
Des Mißmutigen Antlitz heiterte ſich. Und er ging hinab
in Hof und löſte die Hande; der Spürhund und der Leithund
ſprangen an ihm hinauf, auch das Biberhündlein kläffte ver⸗
gnüglich und wollte mit ausziehen ³⁵), aber verächtlich jagte
er's heim, der Fiſchteich und ſeine Inſaſſen gingen den Weid⸗
mann nichts an. Von ſeinen Rüden umbellt, ſchritt er vors Tor.
Praxedis und die andern dienenden Frauen der Herzogin
waren von den Pferden geſtiegen und ſaßen auf einem Rain im
Sonnenſchein und hatten viel miteinand zu ſchwatzen von Mön⸗
chen und Kutten und Bärten und ſonderbaren Launen ihrer
Herrſchaft. Da trat Romeias vor ſie hin und ſprach: Vor⸗
wärts!
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0036