Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0038
38 Drittes Kapitel.

hatte zum Begleiter, der ihn aufrichten wollte, geſprochen:
Laß mich liegen, hier ſoll meine Ruhe ſein und mein Haus
für alle Zeit?)!
Sie waren nicht lang bergan geklommen, da kamen ſie an
einen freien, tannwaldumſäumten Platz. An ſchirmende Fels⸗
wand angelehnt, ſtand dort eine ſchlichte Kapelle in Form eines
Kreuzes. Nah dabei war ein viereckig Häuslein gemauert, das
mit der Rückſeite auch an den Fels anſtieß; nur eine einzige
niedere Fenſteröffnung, mit einem Holzladen verſchließbar, war
dran zu ſchauen; nirgends eine Türe oder anderweiter Ein⸗
gang, und war nicht abzuſehen, wie ein Menſch in ſolch Ge⸗
bäu Einlaß finden mochte, wofern er nicht durch eine Lucke im
Dach von ſeiten der Felswand ſich hinabließ. Genüber ſtund
ein gleiches Gelaß, ſo ebenfalls nur ein einzig Fenſterlein
hatte.
Es war häufiger Brauch dazumal, daß ſolche, die Neigung
zum Mönchsleben verſpürten und die ſich, wie der heilige Bene⸗
dikt ſagt8), ſtark genug fühlten, den Kampf mit dem Teufel
ohne Beihilfe frommer Genoſſenſchaft auf eigene Fauſt zu be⸗
ſtehen, ſich in ſolch einen Gaden einmauern ließen. Man hieß
ſie Reclauſi, Eingeſchloſſene, Klausner, und war ihre Nutzbar⸗
keit und Lebensabſicht der der Säulenheiligen in Agyptenland
zu vergleichen; ſcharfer Winterswind und Schneefall macht
freilich diesſeits der Alpen die Abſperrung in friſcher Luft un⸗
möglich, das Anachoretengelüſt war nicht minder ſtark?3⁹).
In den vier engen Wänden hier auf dem Irenhügel hauſte
nun die Schweſter Wiborad⁰), eine vielgeprieſene Klausnerin
ihrer Zeit.
Sie ſtammte aus Klingnau im Aargau und war eine ſtolze,
ſpröde Jungfrau geweſen, in mancher Kunſt bewandert, und
hatte von ihrem Bruder Hitto alle Pſalmen lateiniſch beten ge⸗
lernt und war ehedem nicht abgeneigt, einem Mann ſein Leben
zu verſüßen, wenn ſie den Rechten finden möchte, aber die Blüte
aargauiſcher Landeskraft fand keine Gnade vor ihren Augen,
und ſie tat eine Wallfahrt gen Rom. Und dort muß ihr unſtet
Gemüt durchſchüttert worden ſein, keiner der Zeitgenoſſen hat


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0038