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42 Drittes Kapitel.

verrückt nach dem Platz vor der Klauſe, als hätt' er etwas ver⸗
loren. Hatte aber nichts zurückgelaſſen.
Praxedis lächelte und warf dem gröbſten aller Wächter eine
Kußhand zu. Da machte Romeias Kehrt, wollte ſeinen Spieß
ſchultern, ließ ihn fallen, hob ihn auf, ſtolperte, erholte ſich
wieder und verſchwand in gutem Trab jenſeits der moosver⸗
wachſenen Stämme.
O Kind der Welt, das in Finſternis wandelt, ſchalt die
Klausnerin herab, was ſoll die Bewegung deiner Hand?
Ein Scherz... ſprach Praxedis unbefangen.
Eine Sünde! rief Wiborad mit rauher Stimme. Praxedis
erſchrak.
O Teufelswerk und Verblendung! fuhr jene predigend fort.
Da laſſet Ihr Eure Augen liſtig herumſtreifen, bis ſie dem
Manne als wie ein Blitz ins Herz fahren, und werft ihm eine
Kußhand zu, als wenn das nichts wäre. Iſt das nichts, wenn
einer rückwärts ſchaut, der vorwärts ſchauen ſollte? Wer die
Hand an den Pflug zu legen hat und ſiehet zurück, der iſt nicht
geſchickt zum Reiche Gottes2)! Ein Scherz?! O reichet mir
Yſop, Euch zu entſündigen, und Schnee, Euch rein zu waſchen!
Daran hab' ich nicht gedacht, ſprach Praxedis errötend.
Ihr denkt noch an vieles nicht, ſprach Wiborad. Sie ſchaute
Praxedis mit einem muſternden Blick von oben bis unten an.
Ihr denkt auch nicht, daß Ihr heute ein grüngelb Gewand
traget, und daß ſolch herausfordernde Farbe weltabgewandten
Augen ein Greuel iſt, und daß Ihr den Gürtel ſo loſe und
nachläſſig drum geſchlungen habet, als wäret Ihr eine land⸗
fahrende Tänzerin. Wachet und betet!
Die Klausnerin verſchwand eine Weile, dann kehrte ſie zu⸗
rück und reichte einen grobgedrehten Strick heraus. Du dauerſt
mich, arme Lachtaube, ſprach ſie. Reiß ab die ſeidegeſtickte Um⸗
windung und empfah' hier den Gürtel der Entſagung aus Wi⸗
borads Händen; der ſoll dir eine Mahnung ſein, daß du un⸗
nützem Schwatzen und Tun den Abſchied gebeſt. Kommt aber
wieder eine Verſuchung eitlen Herzens über dich, Wächtern
Kußhände zuzuwerfen, ſo wende dein Haupt gen Sonnenauf⸗


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