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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0044
44 Drittes Kapitel.

Romeias nicht bald zurückkehre. Die Klausnerin mochte be⸗
merken, daß es ihrem Gaſt nicht allzu behaglich war, ſie reichte
ein Brett aus ihrem Fenſterlein, drauf war ein halb Dutzend
rotgrüner Apfel gelegt.
Wird dir die Zeit lang, Tochter der Welt? ſprach ſie. Greif
zu, wenn die Worte des Heils dich nicht ſättigen. Backwerk und
Süßigkeit hab' ich nicht, aber auch dieſe Äpfel gefallen dem
Herrn wohl, ſie ſind die Speiſe der Armen.
Die Griechin wußte, was der Anſtand erheiſcht. Aber es
waren Holzäpfel. Wie ſie den erſten zur Hälfte verzehrt, ver⸗
zog ſich ihr anmutiger Mund, und unfreiwillige Tränen perlten
in den Augen.
Wie ſchmecken ſie? rief die Klausnerin. Da tat Praxedis,
als ob des Apfels Reſt zufällig ihrer Hand entfalle: Wenn
der Schöpfer allen ſolche Herbigkeit anerſchaffen, ſo hätte Eva
nimmermehr vom Apfel gekoſtet, ſprach ſie mit ſauerſüßem
Lächeln.
Wiborad war beleidigt! Gut! erwiderte ſie, daß du der Eva
Angedenken nicht erlöſchen läſſeſt. Die hat denſelben Geſchmack
gehabt wie du, drum iſt auch die Sünde in die Welt gekom⸗
men ⁴6).
Die Griechin blickte nach dem Himmel. Aber nicht aus
Rührung. Ein Falke kreiſte einſam über Wiborads Zelle. O
könnt' ich mit dir über den Bodenſee fliegen, dachte ſie. Dann
wiegte ſie ſchalkhaft ihr Haupt.
Wie muß ich's anfangen, fragte ſie, daß ich vollkommen
werde, wie Ihr?
Der Welt gründlich entſagen, antwortete Wiborad, iſt eine
Gnade von oben; der Menſch kann ſich's nicht geben. Faſten,
Quellwaſſer trinken, das Fleiſch abtöten, Pſalmen beten, das
all ſind nur Vorbereitungen. Das Wichtigſte iſt ein guter
Schutzheiliger. Wir Frauen ſind ein zerbrechlich Volk, aber ein⸗
dringlich Gebet ruft die Streiter Gottes an unſere Seite, die
helfen. Schau her ans kleine Fenſter, da ſteht er oft in nächt⸗
licher Stille, der Erleſene meiner Gedanken, der tapfere Biſchof
Martinus, und hält Schild und Lanze wider die anſtürmenden


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