Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0050
50 Dirittes Kapitel.

nen neue Lebenskraft; es iſt ein gut Werk, zu Erregung des⸗
ſelben beizutragen.
Aber ſie iſt eine Heilige, ſagte Praxedis ſcheu.
Da brummte Romeias in Bart. Sie ſoll froh ſein, ſprach
er, wenn ſie's iſt. Ich will ihr das Fell ihrer Heiligkeit nicht
abziehen ⁵¹). Aber ſeit ich in Konſtanz meiner Mutter Schweſter
beſucht, hab' ich allerhand erfahren, was mir nicht grün aus⸗
ſieht. Es iſt dort noch nicht vergeſſen, wie ſie vor des Biſchofs
Gericht ſich verantworten mußte wegen dem und jenem, was
mich nichts angeht, und die Konſtanzer Kaufleute erzählen,
ohne daß man ſie fragt, wie ihnen die Klausnerinnen am
Münſter das Almoſengeld, das fromme Pilgrime zutrugen,
gegen Wucherzins ausgeliehen?²). Was kann ich dafür, daß
mir ſchon in Knabenzeit im Steinbruch ein ſeltſam großer
Kieſel in die Hände kam? Wie ich den aufgehämmert, ſaß eine
Kröte drin und machte verwunderte Augen. Seitdem weiß ich,
was eine Klausnerin iſt. Schnipp, ſchnapp — trari, trara!
Romeias geleitete ſeine neue Freundin zur Pforte des außer
Kloſterbann gelegenen Hauſes, das zu ihrer Herbergung be⸗
ſtimmt war. Dort ſtanden die Dienerinnen, der Strauß Wald⸗
blumen, den ſie gepflückt, lag auf dem Steintiſch am Ein⸗
gang.
Wir müſſen Abſchied nehmen, ſagte der Wächter.
Lebt wohl, ſprach Praxedis.
Da ging er. Nach dreißig Schritten ſchaute er ſcharf zurück.
Aber zweimal geht die Sonne an einem Tag nicht auf, am
wenigſten für einen Wächter am Kloſtertor. Es ward ihm
keine Kußhand mehr zugeworfen, Praxedis war ins Haus ge⸗
gangen. L
Da wandelte Romeias langſam zurück, griff, ohne anzu⸗
fragen, den Blumenſtrauß vom Steintiſch und zog ab. Den
Hirſch und die vier Haſen lieferte er der Kloſterküche. Dann
bezog er ſeine Wächterſtube, nagelte den Strauß an die Wand
und malte mit Kohle ein Herz dazu, das hatte zwei Augen
und einen langen Strich als Naſe und einen Querſtrich als
Mund.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0050