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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0052
52 Viertes Kapitel.

Evangelienbücher und der Altarverzierung*³); Mönche des
Kloſters hatten ſie, ums Knie gebunden, aus welſchen Landen
über unſichere Alpenpfade ſicher eingebracht; — köſtliche Ge⸗
fäße in ſeltſamſten Formen, Leuchter in Delphinengeſtalt, ſäu⸗
lengetragene Schalen, Leuchttürmen gleich, Weihrauchbehäl⸗
ter und viel anderes — ein reicher Schatz. Auch ein Kelch von
Bernſtein war dabei“4), der ſchimmerte lieblich, ſo man ihn ans
Licht hielt; am Rand war ein Stück ausgebrochen.
Als mein Vorgänger Hartmuth am Sterben lag, ſprach der
Abt, ward's gepulvert und ihm mit Wein und Honig eingege⸗
ben, das Fieber zu ſtillen.
Mitten im Bernſtein ſaß ein Mücklein, ſo fein erhalten,
als wär's erſt neulich hereingeflogen, und hat ſich dies Inſekt,
wie es in vorgeſchichtlichen Zeiten vergnüglich auf ſeinem
Grashalm ſaß und vom zähflüſſigen Erdharz überſtrömt ward,
auch nicht träumen laſſen, daß es in ſolcher Weiſe auf die
Nachwelt übergehen werde.
Auf derlei ſtummes Zeugnis wirkender Naturkraft ward aber
damals kein aufmerkend Auge gerichtet; wenigſtens war der
Kämmerer Spazzo, der ebenfalls mit Sorgfalt alles muſterte,
mit andern Dingen beſchäftigt. Er dachte, um wie viel ergötz⸗
licher es ſein möcht', mit dieſen frommen Männern in Fehde
zu liegen und, ſtatt als Gaſtfreund einzureiten, Platz und
Schatz mit ſtürmender Hand zu nehmen. Und weil er ſchon
manchen Umſchlag vornehmer Freundſchaft erlebt, bereitete er
ſein Gemüt auf dieſe Möglichkeit, faßte den Eingang der Sa⸗
kriſtei genau ins Aug' und murmelte: Alſo vom Chor die erſte
Pforte zur Rechten!
Der Abt mochte auch der Anſicht ſein, daß lang fortgeſetzter
Anblick von Gold und Silber Hunger nach Beſitz errege; er ließ
die letzte Truhe, welche der Koſtbarkeiten vorzüglichſte barg,
nicht mehr erſchließen und drängte, daß ſie ins Freie kamen.
Sie lenkten ihre Schritte zum Kloſtergarten. Der war weit⸗
ſchichtig angelegt und trug an Kraut und Gemüſe viel nach Be⸗
darf der Küche, zudem auch nußliches Arzneigewächs und heil⸗
bringende Wurzeln.


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