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Im Kloſter. 55
backigen Äbtlein der Zukunft, geführt von ihren Lehrern, den
Blick zur Erde niedergeſchlagen, und wie ſie ſo ernſt und lang⸗
ſam ihre Sequenzen ſangen: da flog ein leiſer Spott über Frau
Hadwigs Antlitz, mit ſtarkem Fuß ſtieß ſie den naheſtehenden
Korb um, daß die Apfel luſtig unter den Zug der Schüler roll⸗
ten und an ihren Kapuzen emporſprangen. Aber unbeirrt zogen
ſie ihres Weges; nur der kleinſten einer wollte ſich bücken nach
der lockenden Frucht, doch ſtreng hielt ihn ſein Nebenmännlein
am Gürtel⁵9).
Wohlgefällig ſah der Abt die Haltung des jungen Volkes
und ſprach: Diſziplin unterſcheidet den Menſchen vom Tier⁶⁰)!
und wenn Ihr der Heſperiden Apfel unter ſie werfen wolltet,
ſie blieben feſt.
Frau Hadwig war gerührt. Sind all Eure Schüler ſo gut
gezogen? frug ſie.
So Ihr Euch überzeugen wollt, ſprach der Abt, die Großen
in der äußern Schule wiſſen nicht minder, was Zucht und Ge⸗
horſam iſt.
Die Herzogin nickte. Da führte ſie der Abt zur äußern
Kloſterſchule, wo zumeiſt vornehmer Laien Söhne und die⸗
jenigen erzogen wurden, die ſich weltgeiſtlichem Stand widmen
wollten.
Sie traten in die Klaſſe der AÄlteſten ein. Auf der Lehr⸗
kanzel ſtand Ratpert, der Vielgelehrte, und unterwies ſeine
Jugend im Verſtändnis von Ariſtoteles' Logica. Geduckt ſaßen
die Schüler über ihren Pergamenten, kaum wandten ſich die
Häupter nach den Eingetretenen. Der Lehrmeiſter gedachte Ehre
einzulegen: Notker Labeo! rief er. Der war die Perle ſeiner
Schüler, die Hoffnung der Wiſſenſchaft; auf ſchmächtigem Kör⸗
per ein mächtiges Haupt, dran eine gewaltige Unterlippe kritiſch
in die Welt hervorragte, das Wahrzeichen ſtrenger Ausdauer
auf den ſteinigen Pfaden des Forſchens und Urſache ſeines Über⸗
namens.
Der wird brav, flüſterte der Abt, die ganze Welt ſei ein Buch,
hat er ſchon im zwölften Jahr geſagt, und die Klöſter die
klaſſiſchen Stellen drin ⁶1).
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