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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0059
Im Kloſter. 59

Iſt keiner der Brüder zur Zeit einer Strafe verfallen, fragte
ſie, es möcht' ein lehrreich Beiſpiel ſein...
Da zuckte der böſe Sindolt mit dem rechten Fuß, als wär'
er in einen Dorn getreten, reckte ſein Ohr rückwärts, wie wenn
von dort eine Stimme ihm riefe, ſprach: Ich komme ſogleich,
und enteilte ins Dunkel des Ganges.
Er wußte warum.
Notker, der Stammler, hatte nach jähriger Arbeit die Ab⸗
ſchreibung eines Pfalterbuches vollendet und es mit zierlich
feinen Federzeichnungen geziert; das hatte der neidige Sindolt
nächtlicherweile zerſchnitten und die Weinkanne drüber ge⸗
ſchüttet. Drob war er zu dreimaliger Geißelſtrafe verdammt,
der letzten Vollzug ſtand noch aus: er kannte das Ortlein und
die Bußwerkzeuge, die ihrem Rang nach an der Wand hingen,
vom neunfältigen „Skorpion“ herab bis zur einfachen „Weſpe“.
Der Abt drängte, daß ſie vorüber kamen. Seine Prunk⸗
gemächer waren mit Blumen geſchmückt. Frau Hadwig warf
ſich in den einfachen Lehnſtuhl, auszuruhen vom Wechſel des
Erſchauten. Sie hatte in wenig Stunden viel erlebt. Es war
noch eine halbe Stunde zum Abendimbiß.
Wer zu dieſer Friſt einen Rundgang durch des Kloſters Zel⸗
len gemacht, der hätte ſich überzeugen mögen, wie kein ein⸗
ziger Bewohner des Stiftes unberührt vom Eindruck des vor⸗
nehmen Beſuchs geblieben. Auch die weltabgeſchiedenſten Ge⸗
müter fühlten, daß einer Frau Huldigung gebührt.
Dem grauen Tutilo war's beim Empfang ſchwer aufs Herz
gefallen, daß der linke Ärmel ſeiner Kutte mit einem Loch ge⸗
ſchmückt war; ſonſt wär's wohl bis zum nächſten hohen Feſttag
ungeflickt geblieben, aber itzt galt kein Verzug; mit Nadel und
Zwirn gewaffnet ſaß er auf dem Schragen und beſſerte den
Schaden.
Und weil er gerade im Zug war, legte er auch ſeinen San⸗
dalen eine neue Sohle an und feſtigte ſie mit Nägeln. Er ſummte
eine Melodei, daß die Arbeit beſſ er gedieh.
Radolt, das Denkmännlein, ging mit gerunzelter Stirn auf
ſeiner Zelle auf und nieder, vermeinend, es werde ſich eine


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