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70 Fünftes Kapitel.
Stücklein Ouyx und Smaragd in der ſilbernen Umfaſſung; der
andere trug ein Krüglein mit Wein. Und der Abt ſchöpfte ein
weniges in den Becher, wünſchte ſeiner erlauchten Baſe einen
geſegneten Tag und bat, mit ihm des Abſchieds Minne zu
trinken und den Becher zu freundlichem Angedenken zu behal⸗
ten 84).
Für den Fall, daß das Geſchenk nicht genügend befunden
werden ſollte, hatte er noch ein ſeltſam Schauſtück im Rückhalt,
das war ſilbern zwar, doch unanſehnlicher Geſtalt und täuſchend
einem ſchlichten Brote gleichgeformt, innen aber gefüllt mit
güldenen Byzantinern bis zum Rande ³5); — vorerſt ließ der
Abt nichts davon vermerken und trug's ſorglich verborgen in
der Kutte.
Frau Hadwig nahm den dargebotenen Becher, tat, als wenn
ſie daran nippte, gab ihn aber wieder zurück und ſprach: Er⸗
laubet, teurer Vetter, was ſoll der Frau das Trinkgefäß? Ich
heiſche ein anderweit Gaſtgeſchenk. Habet Ihr nicht geſtern von
Quellen der Weisheit geſprochen?
Ihr ſollet mir aus des Kloſters Bücherei einen Virgilius
verehren!
Immer zu Scherz geneigt, ſagte Herr Cralo, der eine ge⸗
wichtigere Forderung erwartet hatte: was ſoll Euch der Virgi⸗
lius, ſo Ihr der Sprache nicht kundig ſeid?
Es verſteht ſich, daß Ihr mir den Lehrer dazu gebet, ſprach
die Herzogin ernſt.
Da ſchüttelte der Abt bedenklich das Haupt: Seit wann wer⸗
den die Jünger des heiligen Gall als Gaſtgeſchenke vergeben?
Sie aber ſprach: Ihr werdet mich verſtanden haben. Der
blonde Pörtner wird mein Lehrer ſein, und heut am dritten
Tage längſtens wird der Virgilius und er ſich bei mir ein⸗
ſtellen! Gedenket, daß des Kloſters Streit um die Güter im
Rheintal und die Beſtätigung ſeiner Freiheiten in Schwaben in
meiner Hand ruhet, und daß ich nicht abgeneigt, auch auf dem
Twieler Felſen den Jüngern Sankt Benedikts ein Klöſterlein
herzurichten...
Lebet wohl, Herr Vetter!
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