Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0073
Ekkehards Auszug. 73

in dem einſt der heilige Gallus, der am Bodenſee üblichen
Landesſprache unkundig, ſich vom Pfarrherrn zu Arbon die
notwendigſten Worte hatte verdeutſchen laſſen 88). Da gedachte
Ekkehard, wie des Kloſters Stifter mit ſo wenig Ausrüſtung
und Hilfe dereinſt ausgezogen, ein fremder Mann unter die
Heiden, und wie ſein Gott und ſein unverzagt Herz in Not und
Fährlichkeit ihn immerdar friſch gehalten ... ſein Mut ſtärkte
ſich, er küßte das Büchlein, nahm den Virgil aus dem Schrein
und wandte ſich, zu gehen. „Wer dies Buch wegträgt, den
ſollen tauſend Peitſchenhiebe treffen und Lähmung und Ausſatz
dazu!“ ſtand auf dem erſten Blatte. Er ſchnitt's weg.

Noch einmal ſchaute er ſich um, als wollten ihm von Brett
und Kaſten die Bücher einen Gruß zuwinken. Da hub ſich ein
Kniſtern an der Wand, der große Bauriß ³⁸²), den der Ar⸗
chitekt Gerung einſt auf drei Schuh langer Tierhaut zu des
Abt Hartmuth neuem Kloſterbau angefertigt hatte, löſte ſich
von dem feſthaltenden Nagel und ſtürzte nieder, daß eine
Staubwolke draus emporſtieg.
Ekkehard machte ſich keine Gedanken drüber.
Wie er den Gang des obern Stockwerks entlang ſchritt, kam
er an einem offenen Gemach vorüber. Das war der Winkel
der Alten. Der blinde Thieto ²°) ſaß drin, einſt des Kloſters
Abt, bis ſchwindendes Augenlicht ihn abzudanken nötigte. Ein
Fenſter war geöffnet, daß der Greis ſich der ſonnenwarmen
Luft erfreue. Bei ihm hatte Ekkehard manche Stunde in trau⸗
lichem Geſpräch verbracht. Der Blinde kannte ihn am Schritt
und rief ihn zu ſich. Wohin? frug er.
Hinunter, — und morgen fort ins Weite. Gebt mir Eure
Hand, ich komme auf den hohen Twiel.
Schlimm, ſprach der Blinde, ſehr ſchlimm!
Warum, Vater Thieto?
Frauendienſt iſt ein ſchlimm Ding für den, der gerecht
bleiben will, Hofdienſt noch ſchlimmer — was iſt Frauen⸗
und Hofdienſt zugleich?
Es iſt mein Schickſal, ſprach Ekkehard.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0073