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Ekkehards Auszug. 75
Säntis ſeine Zacken und Hörner empor, auf den verwitterten
Felswänden hüpfte warmer Sonnenſtrahl unſtet im Kampf
mit dem Gewölke und ſtrahlte vorüberfliehend auf die Maſſen
alten Schnees, die in den Schluchten neuem Winter entgegen⸗
harrten . .. Über dem Kamor ſtand eine dunkle Wolke, ſie
dehnte und ſtreckte ſich, bald war die Sonne verdeckt, grau
und matt wurden die Bergſpitzen gefärbt, es ſchickte ſich an,
zu wetterleuchten ...
Soll mir das ein Zeichen ſein? ſprach Ekkehard, ich verſtehe
es nicht. Mein Weg geht nicht zum Säntis.
Nachdenkend ſchritt er den Berg hinunter.
In der Nacht betete er am Grabe des heiligen Gallus.
Frühmorgens nahm er Abſchied. Der Virgilius und Thietos
Fläſchlein waren in die Reiſetaſche verpackt, ſein übrig Gepäck
kurz beiſammen.
Wem ſelbſt nicht der Körper, die Wünſche und Begierden zu
eigener Verfügung ſtehen dürfen, ſoll auch weder an fahrender
Habe noch an liegendem Gut ein eigen Beſitztum ausüben.
Der Abt ſchenkte ihm zwei Goldſchillinge und etliche Sil⸗
berdenare als Zehr⸗ und Notpfennig.
Mit einem Kornſchiff des Kloſters fuhr er über den See,
— die Segel von günſtigem Wind, die Bruſt von Mut und
Wanderluſt geſchwellt.
Mittag war's, da rückte das Kaſtell von Konſtanz und
Dom und Mauerzinnen immer deutlicher vor den Augen der
Schiffahrer auf. Wohlgemut ſprang Ekkehard ans Land.
In Konſtanz hätt' er ſich verweilen, im Hof des Biſchofs
Gaſtfreundſchaft anſprechen mögen. Er tat's nicht. Der Ort
war ihm zuwider, zuwider von Grund ſeines Herzens, nicht
wegen ſeiner Lage oder etwaiger Mißgeſtalt, denn an Schön⸗
heit wetteifert er kühnlich mit jeglicher Stadt am See, ſon⸗
dern wegen der Erinnerung an einen Mann, dem er gram.
Das war der Biſchof Salomo, ſie hatten ihn kürzlich mit
großem Prunk im Münſter begraben. Ekkehard war ein ſchlich⸗
ter, gerader, frommer Menſch. Im Dienſt der Kirche ſtolz und
hochfahrend werden, ſchien ihm Unrecht, ihn mit weltlichen
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