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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0077
Ekkehards Auszug. 77

Wie hoffnungsgrün und beſeligt iſt der Menſch, der in jun⸗
gen Tagen auf unbekannten Pfaden unbekannter Zukunft ent⸗
gegenzieht, — die weite Welt vor ſich, der Himmel blau und das
Herz friſch, als müßt' ſein Wanderſtab überall, wo er ihn ins
Erdreich einſtößt, Laub und Blüten treiben und das Glück als
goldnen Apfel in ſeinen Zweigen tragen. Wandre nur im⸗
mer zu! Auch du wirſt einſtmals müden Fußes im Staub
der Heerſtraße einherſchleichen, und dein Stab iſt ein dürrer
Stecken, dein Antlitz welk, und die Kinder zeigen mit Fingern
auf dich und lachen und fragen: wo iſt der goldene Apfel? ...
Ekkehard war in der Tat vergnügt. Wanderlieder zu ſingen,
war für einen Mann geiſtlichen Standes nicht üblich, aber der
Geſang Davids, den er jetzt anſtimmte: „Jehova iſt mein Herr,
mir mangelt nichts. Auf grünen Triften läßt er mich lagern,
zu ſtillen Gewäſſern führt er mich“ — mag ihm im Himmel
in das gleiche Buch des Verdienſtes verzeichnet worden ſein,
in das die Engel der Jugend fahrender Schüler und wan⸗
dernder Geſellen Lieder einzutragen pflegen.
Durch Wieſen und an hohem Schilfgelände vorüber führte
ihn ſein Pfad. Lang und niedrig ſtreckte ſich im See eine Inſel,
die Reichenau; Turm und Mauern des Sees ſpiegelten ſich
im ruhigen Gewäſſer; Rebhügel, Matten und Obſtgärten wie⸗
ſen dem Auge den Fleiß der Bewohner.
Vor zweihundert Jahren war die Au noch wüſt und leer
geſtanden, in feuchtem Grunde die Herberge von Gewürm und
böſen Schlangen. Der auſtraſiſche Landvogt Sintlaz aber wies
den wandernden Biſchof Pirminius hinüber, der ſprach einen
ſchweren Segen über das Eiland, da zogen Schlangen und
Würmer in vollem Heereshaufen aus, die Tauſendfüßler im
Plänklerzug voran, Ohrklemmer, Skorpione, Lurche und was
ſonſt kreucht, in geordneten Säulen mit, Kröten und Sala⸗
mander in der Nachhut: des Pirminius Spruch konnten ſie
nicht beſtehen; zum Geſtade, wo ſpäter die Burg Schopfeln ge⸗
baut ward, wälzte ſich der Schwarm, dann hinab in die grüne
Seeflut — und der Fiſch weitum hat damals einen guten Tag
gehabt . . . .


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