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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0078
78 Fünftes Kapitel.

Seither war des Pirminius Stift aufgeblüht, eine Pflanz⸗
ſtätte klöſterlicher Zucht von gutem Klang in deutſchen Landen.

Reichenau, grünendes Eiland, wie biſt du vor andern geſegnet,
Reich an Schätzen des Wiſſens und heiligem Sinn der Bewohner,
Reich an des Obſtbaums Frucht und ſchwellender Traube des
einber
Immerdar blüht es auf dir und ſpiegelt im See ſich die Krie⸗
Weithin ſchallet dein Ruhm bis ins neblige Land der Britannen

hatte ſchon in Ludwig des Deutſchen Tagen der gelahrte Mönch
Ermenrich ²³) geſungen, da ihn auf ſeiner Abtei Ellwangen
Heimweh nach den ſchimmernden Fluten des Bodenſees be⸗
ſchlich.
Ekkehard beſchloß, dieſer Nebenbuhlerin ſeines Kloſters einen
Beſuch abzuſtatten. Am weißſandigen Geſtad von Ermatingen
ſtand ein Fiſcher im Kahn und ſchöpfte das Waſſer aus. Da
deutete Ekkehard mit ſeinem Stab nach dem Eiland: Führt
mich hinüber, guter Freund!
Mönchshabit verlieh damals jeder Aufforderung Nachdruck.
Der Fiſcher aber ſchüttelte verdroſſen das Haupt: Ich fahre
keinen mehr von euch, ſeit ihr mich am letzten Ruggericht um
einen Schilling gebüßt ...
Warum haben ſie Euch gebüßt?
Wegen dem Kreuzmann!
Wer iſt der Kreuzmann?
Der Allmann.
Auch der iſt mir unbekannt, ſprach Ekkehard, wie ſieht er
aus?
Aus Erz iſt er gegoſſen, brummte der Fiſcher, von zweier
Spannen Höhe und hält drei Seeroſen in der Hand. Der ſtund
im alten Weidenbaum zu Allmannsdorf, und 's war gut, daß
er dort ſtund, aber ſeit dem letzten Ruggericht haben ſie ihn
aus dem Baum gehauen und ins Kloſter verſchleppt. Jetzt
ſteht er auf des welſchen Biſchofs Grab in Niederzell, was
ſoll er dort? Toten Heiligen Fiſche fangen helfen?! ... 94)
Da merkte Ekkehard, daß des Fiſchers Chriſtenglaube noch
nicht felſenfeſt ſtand, und mochte ſich erklären, warum das


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