Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0079
Ekkehards Auszug. 79

eherne Götzenbild ihm die Schillingsbuße eingetragen — er
hatte ihm ein Zicklein nächtlich als Opfer geſchlachtet, damit
ſeine Fiſchzüge mit Felchen, Forellen und Braxmannen ge⸗
ſegnet würden, und die Rugmänner hatten nach kaiſerlicher
Verordnung ſolch heidniſch Rückerinnern geahndet.
Seid vernünftig, alter Freund, ſprach Ekkehard, und ver⸗
geſſet den Allmann. Ich will Euch ein gut Teil Eures Schil⸗
lings geben, ſo Ihr mich überſetzet.
Was ich rede, ſprach der Fiſcher, ſoll ſich nicht drehen laſſen
wie ein Ring am Finger. Ich fahre keinen von euch. Mein
Bub kann's tun, wenn er will.
Er pfiff durch die Finger, da kam ſein Bub, ein hochſtämmi⸗
ger Ferge, der führte Ekkehard hinüber.
Wie ſie das Schifflein angelegt, ging Ekkehard dem Kloſter
zu, das zwiſchen Obſtbäumen und Rebhügeln verſteckt inmitten
des Eilandes aufgebaut ſteht. Es war die Zeit des Spätherbſtes,
alt und jung auf der Inſel mit der Weinleſe beſchäftigt, da und
dort hob ſich die Kapuze eines dienenden Bruders dunkel vom
rotgelben Reblaub ab. Auf der Hochwarte ſtanden die Väter der
Inſel truppweiſe beiſammen und ergötzten ſich am Getrieb der
traubenſammelnden Leute; ſie hatten unter Umtragung eines
mächtigen Marmorgefäßes, das für einen Krug von der kana⸗
näiſchen Hochzeit galt, die Einſegnung des neuen Weines ²)
abgehalten. Fröhlicher Zuruf und fernes Jauchzen klang aus
den Rebbergen.
Unbemerkt kam Ekkehard zum Kloſter, auf wenig Schritte
war er ihm genaht, da erſt ragte der ſchwerfällige Turm mit
ſeinen Vorhallen, deren Rundbogen abwechſelnd mit grauen
und roten Sandſteinquadern geſchmückt ſind, vor ihm auf.
Im Kloſterhof war alles ſtumm und ſtill. Ein großer Hund
wedelte am fremden Gaſt hinauf, ohne Laut zu geben, er bellte
keine Kutte an; die Einwohner alleſamt hatte der linde Herbſt⸗
tag hinausgelockt ⁹6).
Da trat Ekkehard in die gewölbte Fremdenſtube am Eingang.
Auch des Pförtners Gelaß nebenan war leer. Offene Fäſſer
ſtanden aufgepflanzt, manche ſchon mit ſüßem Moſte gefüllt.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0079