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80 Fünftes Kapitel.
Hinter ihnen war ein ſteinern Bänklein an der Wand; Ekkehard
war friſch ausgeſchritten, und die Seeluft hatte ihm zehrend ums
Haupt geweht, da kam ein Zug des Schlummers mächtig über
ihn, er lehnte den Wanderſtab an den Arm, ſtreckte ſich ein
weniges und nickte ein.
Derweil zog ſich's mit langſamem Schritt in die kühle Stube,
das war der ehrenwerte Bruder Rudimann, des Kloſters Kel⸗
lermeiſter. Er trug ein ſteinern Krüglein in der Rechten und
ging ſeines Amtes nach, Moſtprobe zu halten. Das Lächeln
eines mit der Welt und ſich verſöhnten Mannes lag auf ſeinen
Lippen, und ſein Bauch war fröhlich gediehen wie das Haus⸗
weſen des Fleißigen, einen weißen Schurz hatte er darüber
geſchlungen, gewichtiger Schlüſſelbund klapperte an ſeiner lin⸗
ken Seite.
„Zum Kellermeiſter ſoll erwählt werden ein weiſer Mann
von reifen Sitten, nüchtern und nicht vieler Speiſe gierig, kein
Zänker und kein Schelter, kein Träger und kein Vergeuder,
ſondern ein Gottesfürchtiger, der der geſamten Bruderſchaft ſei
als wie ein Vater“97) — und ſoweit es des Fleiſches Schwäche
hienieden möglich macht, war Rudimann bemüht, ſotane Kel⸗
lermeiſterseigenſchaften in ſich zu vereinen. Dabei aber trug
er das herbe Amt eines Strafvollziehers, und wenn einer der
Brüder der Geißelung ſich ſchuldig gemacht, band er ihn an die
Säule und konnte ſich keiner über die Milde ſeines Armes be⸗
beklagen. Daß er außerdem mit boshaftiger Zunge dann und
wann boshaftige Gedanken ausſprach und den Abt mit Ver⸗
dächtigung der Mitbrüder zu unterhalten wußte wie das Eich⸗
hörnchen Ratatöskr der Edda ²3), das auf⸗ und abrennt an der
Eſche Yggdraſil und des Adlers zürnende Worte im Wipfel
herniederträgt zu Nidhöggr, dem Drachen in der Tiefe: das war
nicht ſeines Amtes, das tat er aus freien Stücken.
Heute aber ſchaute er gar vergnüglich drein, deß trug die
Güte der Weinleſe ſchuld. Und er tauchte ſein Krüglein in ein
offenes Faß, hielt's gegen das Fenſter und ſchlürfte bedächtig
den unklaren Stoff. Des ſchlafenden Gaſtes nahm er nicht
wahr.
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