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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0082
Ekkehards Auszug. 81

Auch dieſer iſt ſüß, ſprach er, und kommt doch vom mitter⸗
nächtigen Abhang der Hügel. Gelobt ſei der Herr, der vom
Notſtand ſeiner Knechte auf dieſer Au eine billige Einſicht
nahm und nach ſo viel magern Jahren ein fettes ſchuf, und
frei von Säure!
Inzwiſchen ging draußen Kerhildis, die Obermagd, vorüber,
ſie trug eine traubengefüllte Butte zur Kelter. Kerhildis, ſprach
der Kellermeiſter leiſe, getreuſte aller Mägde, nimm mein Krüg⸗
lein und füll es mit dem Neuen vom Wartberg, der drüben an
der Kelter ſteht, auf daß ich ihn mit dieſem vergleiche.
Kerhildis, die Obermagd, ſtellte ihre Laſt ab und ging und
kam und ſtand vor Rudimann, reichte ihm das Krüglein, ſchaute
ſchalkhaft an ihm hinauf, denn er überragte ſie um eines Kopfes
Länge, und ſprach: Wohl bekomm's!
Rudimann tat einen langen, frommen, vergleichenden Zug,
ſo daß ihm der Neue auf den Lippen ſchmelzen mochte wie
Schnee in der Märzenſonne; alle miteinander werden ſüß und
gut, ſprach er, und ſeine Augen hoben ſich gerührt, und daß
ſie an der Obermagd ſtrahlendem Antlitz haften blieben, daran
trug der Kellermeiſter kaum Schuld, denn dieſe hätte ſich in⸗
zwiſchen auch zurückziehen können.
Da fuhr er mit der Salbung fort: So ich aber Euch anſchaue,
Kerhildis, ſo wird mein Herz doppelt froh, denn auch Ihr ge⸗
deihet wie der Kloſterwein in dieſem Herbſt, und Eure Bäck⸗
lein ſind rot wie Granatäpfel, die des Pflückenden harren.
Preiſet mit mir des Jahrgangs Güte, getreuſte aller Mägde!
Und der Kellermeiſter ſchlang ſeinen Arm um der ſchwarz⸗
braunen Obermagd Hüfte²²), die wehrte ſich deſſen nicht groß
— was liegt an einem Kuß im Herbſte? — und ſie wußte, daß
Rudimann ein Mann von reifen Sitten war und alles mäßig
tat, wie es einem Kellermeiſter geziemt.
Da fuhr der Schläfer auf der Steinbank aus ſeinem Schlum⸗
mer. Ein eigentümlich Geräuſch, das von nichts anderem her⸗
rühren kann als von einem wohlaufgeſetzten verſtändigen Kuß,
ſchlug an ſein Ohr, er ſchaute zwiſchen den Fäſſern durch, da
ſah er des Kellermeiſters Gewandung und ein Paar fliegende
Scheffel. V/VI. 6


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