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Ekkehards Auszug. 83
ſtand nicht an Mattigkeit der Seele zu erſterben, lag in ſeinen
„Mußeſtunden im deutſchen Kloſter eifrig dem Studium der
Taktik ob; ſie hießen ihn ſcherzweiſe den Hauptmann von Ka⸗
pernaum, wiewohl er das Ordenskleid genommen.
Gebt dem Streite Raum, ſprach Simon Bardo, der mit
Bedauern den Zweikampf unterbrochen ſah, zum Abte: ich hab'
heut im Traum ein Sprühen von Feuerfunken erſchaut, das
deutet Schläge..
Der Abt aber, in deſſen Augen die Eigenmacht Jüngerer
ein Greuel war, gebot Ruhe und ließ den Streitfall zur Schlich⸗
tung vortragen.
Da hob Rudimann an zu erzählen, was geſchehen, und ver⸗
ſchwieg nichts.
Leichtes Vergehen, murmelte der Abt; Hauptſtück ſechs und
vierzig: von dem, was bei der Arbeit, beim Gärtnen oder
Fiſchfang, in Küche oder Keller geſündigt wird — alemanni⸗
ſches Geſetz: von dem, was mit Mägden geſchieht... der Gegner
ſpreche!
Da trug auch Ekkehard vor, wie er die Sache angeſchaut
und in gerechtem Zorn dreingefahren.
Verwickelt! murmelte der Abt, Hauptſtück ſiebenzig: kein
Bruder nehme ſich heraus, den Mitbruder ſonder Ermächtigung
des Abts zu ſchlagen, Hauptſtück zwei und ſiebenzig: von dem⸗
jenigen Eifer, der einem Mönch wohl anſteht und zum ewigen
Leben führt ... Wieviel Jahre zählt Ihr?
Drei und zwanzig!
Da ſprach der Abt ernſthaft: Der Streit iſt aus. Ihr,
Bruder Kellermeiſter, habt Eure Streiche als wohlverdient Ent⸗
gelt Eurer Zerſtreutheit aufzunehmen; — Euch, Fremdling des
heiligen Gallus, vermöchte ich füglich anzuweiſen, Eures Weges
weiter zu ziehen, denn es ſteht geſchrieben: Wenn ein fremder
Mönch aus anderweiten Provinzen ankommt, ſoll er zufrieden
ſein mit dem, was er im Klloſter vorfindet, ſich nur einen de⸗
mütigen Tadel erlauben und ſich in keiner Weiſe überflüſſig
machen. In Erwägung Eurer Jugend und untadeligen Beweg⸗
grundes aber mögt Ihr zur Sühnung am Hauptaltar unſerer
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