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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0107
106 Siebentes Kapitel.

iſt, ſo iſt er doch ein König der Winde, und ſie iſt gewißlich
gut bei ihm verſorgt geweſen...
Gewiß! — ſprach Frau Hadwig und wirnkte ihr, zu ſchwei⸗
gen. Nun wiſſen wir doch auch, wie Kammerfrauen den Vir⸗
gilius leſen.
Ekkehard war durch der Herzogin Widerſpruch zu größerem
Eifer gereizt. Mit Begeiſterung las er am Abend des weiteren,
wie der fromme AÄneas auf Erſpähung des libyſchen Landes
auszog und ihm ſeine Mutter Venus entgegentritt in Gewand
und Waffen einer Sparterjungfrau, den leichten Bogen um die
Schulter, den wallenden Buſen kaum in des aufgeſchürzten Ge⸗
wandes Knüpfung verborgen — und wie ſie des Sohnes Schritt
der tyriſchen Fürſtin entgegenlenkt. Und weiter las er, wie
Aneas zu ſpät die göttliche Mutter erkannte — vergebens ruft
er ihr nach, ſie aber hüllt ihn in Nebel, daß er unerkannt zur
neuen Stadt gelange ... wo die Tyrerin zu Junos Ehren den
mächtigen Tempel gründet, ſteht er und ſchaut, von Künſtler⸗
hand gemalt, die Schlachten vor Troja; am leeren Abbild ver⸗
gangener Kampfarbeit weidet ſich ſeine Seele.
Jetzt naht ſie ſelber, Dido, die Herrin des Landes, antrei⸗
bend das Werk und die künftige Herrſchaft:
Und an der Pforte der Göttin, bedeckt vom Gewölbe des Tem⸗

pels,
Saß ſie, mit Waffen umſchart, auf des Throne⸗ hochragendem
eſſel,
Urteil ſprach ſie den Männern und Recht, und die Mühen der

Arbeit
Teilte ſie jeglichem gleich nach Billigkeit...

Leſet mir das nochmal, ſprach die Herzogin. Ekkehard wie⸗
derholte es.
Steht's ſo geſchrieben? frug ſie. Ich hätte nichts einge⸗
wendet, wenn Ihr's ſelber ſo eingeſchaltet hättet. Glaubt' ich
doch ſchier ein Abbild eigener Herrſchaftsführung zu hören...
Mit den Menſchen Eures Dichters bin ich wohl zufrieden.
Es wird wohl leichter ſein, ſie abzuzeichnen als die Götter,
ſprach Ekkehard. Es gibt ſo viel Menſchen auf der Welt...


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