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Audifax. 111
mal geſagt haſt, wie wir unſern Schaum verblaſen hatten, und
es war Abend und Nacht worden, und die Sterne zogen am
Himmel auf? Das ſind auch Seifenblaſen, haſt du geſagt, der
liebe Gott ſitzt auf einem hohen Berge, der bläſt ſie und kann's
beſſer als wir...
Das weiß ich nicht mehr, ſprach Audifax.
Er neigte ſein Haupt zur Bruſt herab und fing wiederum
an zu weinen. Wie muß ich's anfangen, daß ich den Schatz
gewinne? klagte er.
Sei geſcheit, ſprach Hadumoth, was wollteſt du auch mit
dem Schatz beginnen, wenn er gewonnen iſt?
Dann kauf' ich mich frei, ſprach er gelaſſen, und dich auch,
und der Frau Herzogin kauf' ich ihr Herzogtum ab und den
ganzen Berg mit allem, was drauf ſteht, und dir laß ich eine
güldene Krone machen und jeder Ziege ein gülden Glöcklein und
mir eine Sackpfeife von Ebenholz und lauterem Golde...
Von lauterem Golde — ſcherzte Hadumoth, weißt du denn,
wie Gold ausſieht?
Da deutete Audifax mit dem Finger nach dem Mund: Kannſt
du ſchweigen? Sie nickte bejahend. Gib mir die Hand drauf.
Sie gab ihm die Hand. So will ich dir zeigen, wie Gold aus⸗
ſieht, ſprach der Hirtenknabe, griff in ſeine Buſentaſche und
zog ein Stücklein hervor, rund wie eine mäßige Münze, aber
gewölbt wie eine Schale, und waren etliche unverſtändliche
verwiſchte Zeichen darauf, es gleißte und glänzte und war
wirklich Gold. Hadumoth wog das Stück auf dem Zeigefinger.
Das hab' ich auf dem Feld gefunden, weit da drüben, ſprach
Audifax, nach dem Gewitter. Wenn der Regenbogen mit ſeinem
Farbenglanz ſich zu uns niederwölbt, dann kommen zwei En⸗
gel; wo ſeine Enden ſich auf die Erde ſenken, halten ſie ihm ein
gülden Schüſſelein unter, daß er nicht auf dem verregneten rau⸗
hen Boden aufſtehen muß — und wenn er ausgeglänzt hat,
dann laſſen ſie die Schüſſelein im Feld ſtehen, zweimal dürfen
ſie's nicht brauchen, das würde der Regenbogen übel neh⸗
men..119)
Hadumoth begann an den Beruf ihres Geſpielen zum Schatz⸗
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