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112 Achtes Kapitel.
finden zu glauben. Audifax, ſprach ſie, und gab ihm das Regen⸗
bogenſchüſſelein zurück, das frommt dir alles nichts. Wer ei⸗
nen Schatz finden will, muß den Zauber wiſſen — in der Tiefe
unten wird alles gut gehütet, ſie geben’s nicht los, wenn ſie
nicht niedergezwungen werden.
Ja, der Zauber, ſagte Audifax mit tränendem Aug' — wer
ihn wüßte...
Haſt du den heiligen Mann ſchon geſehen? frug Hadumoth.
Nein.
Seit vier Tagen iſt der heilige Mann in der Burg, der weiß
allen Zauber. Ein großes Buch hat er mitgebracht, das lieſt er
unſerer Herzogin vor, da ſteht alles drin geſchrieben, wie man
die in der Luft zwingt und die in der Erde und die im Waſſer
und Feuer, die lange Friderun hat's den Knechten heimlich
erzählt, die Herzogin hab' ihn verſchrieben, daß das Herzogtum
feſter werde und größer, und daß ſie jung und ſchön bleibe und
ewig zu leben komme..
Ich will zum heiligen Mann gehen, ſprach Audifax.
Sie werden dich ſchlagen, warnte Hadumoth.
Sie werden mich nicht ſchlagen, ſagte er, ich weiß etwas,
das biet' ich ihm, wenn er mir den Zauber weiſt...
Es war Abend worden. Die Kinder ſtanden von ihrem
Steinſitz auf — Ziegen und Gänſe wurden zuſammengerufen,
wohlgeordnet wie eine Heerſchar zogen ſie den Burgweg hinauf
und rückten in ihren Ställen ein. —
Desſelben Abends las Ekkehard der Herzogin den Schluß
des erſten Buchs der Aneide, den Herr Spazzo tagszuvor unter⸗
brochen: wie die Sidonierin Dido, erſtaunt bei des Helden An⸗
blick, ihn und die Seinen unter ihr gaſtlich Dach einladet, und
beifällig nickte Frau Hadwig zu Didos Worten:
Mich auch hat ein gleiches Geſchick durch mancherlei Trübſal
Umgeſchüttelt und endlich im Land hier ruhen geheißen;
Fremd nicht blieb ich dem Kummer und lernt' Unglücklichen
beiſtehn.
Jetzt ſendet eneas den Achates zu den Schiffen, daß er's
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