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114 Achtes Kapitel.
Was für einen Zauber?
Den Schatz zu heben in der Tiefe.
Den möcht' ich auch haben, ſprach Ekkehard lachend.
O, Ihr habt ihn, heiliger Mann, ſprach der Knabe. Habet
Ihr nicht das große Buch, aus dem Ihr unſerer Herrin des
Abends vorleſet?
Ekkehard ſchaute ihn ſcharf an, er ward mißtrauiſch und
gedachte der Art, wie er auf den hohen Twiel eingeführt wor⸗
den. Hat dir's jemand eingegeben, fragte er, daß du ſo zu mir
redeſt?
Ja!
Wer?
Da fing Audifax an zu weinen: Hadumoth! ſprach er.
Ekkehard verſtand ihn nicht.
Wer iſt Hadumoth?
Die Ganshirtin, ſprach der Knabe ſchluchzend.
Du redeſt Torheit, geh deiner Wege...
Aber Audifax ging nicht.
Ihr ſollt mir's nicht umſonſt geben, ſagte er, ich will Euch
was Schönes zeigen. Es müſſen viel Schätze im Berg ſein, ich
weiß einen, der iſt aber nicht der rechte. Ich möcht' den rech⸗
ten finden.
Ekkehard ward aufmerkſam: Zeig mir, was du weißt! Audi⸗
fax deutete bergabwärts. Da ging Ekkehard mit ihm zum
Burghof hinaus und die Stufen des Burgwegs hinunter; auf
des Berges Rückſeite, wo der Blick zu des hohen Stoffeln tanni⸗
gem Haupt hinüberſtreift und zum hohen Höwen, bog Audifax
vom Weg ab, ſie gingen durchs Gebüſch; kahl, in verwittertem
Grau ſtrebte die Felswand vor ihnen zur Himmelsbläue empor.
Audifax bog einen Strauch zurück und riß das Moos auf;
in dem grauen Klingſtein, der des Berges Kern iſt, ward eine
gelbe Ader ſichtbar; in eines Fingers Breite zog ſie durchs Ge⸗
ſtein. — Audifax löſte ein Stück ab, verſteinten Tropfen gleich
ſaß der eingeſprengte Stoff in der Spalte, ſtrahlend, rundlich,
goldgelb, und in weißrötlicher Druſe hafteten Opalkriſtalle.
Prüfend ſah Ekkehard auf das abgelöſte Stück. Der Stein
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