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116 Achtes Kapitel.
ſeit langem zum erſtenmal war die alte Sackpfeife wieder mit
ihm auf die Ziegenhut ausgezogen, der Wind trug die Klänge
ins Tal hinab. Vergnügt kam ſeine Freundin Hadumoth zu
ihm herüber: Wollen wir wieder Seifenblaſen machen? frug
ſie ihn.
Ich mache keine Seifenblaſen mehr! ſprach Audifax und blies
auf ſeiner Pfeife weiter. Dann ſtieg er auf, ſah ſich ſorgſam
um, zog Hadumoth zu ſich — ſein Auge glänzte ſeltſam: Ich
bin beim heiligen Mann geweſen, raunte er ihr ins Ohr, heut
nacht heben wir den Schatz. Du gehſt mit. Hadumoth ver⸗
ſprach's ihm.
Der dienenden Leute Nachteſſen in der Geſindeſtube war zu
Ende; gleichzeitig ſtunden ſie alle von ihren Bänken auf und
ſtellten ſich in die Reihe; zu unterſt waren Audifax und Hadu⸗
moth geſeſſen, die junge Hirtin ſprach den grobkörnigen Men⸗
ſchen das Gebet vor, ſie zitterte heut mit der Stimme...
Eh' der Tiſch abgeräumt war, huſchte es wie zwei Schatten
zu dem noch unverſchloſſenen Burgtor hinaus, es waren die
zwei Kinder, Audifax ging voran. Die Nacht wird kalt ſein,
hatte er zu Hadumoth geſagt und ihr ein langhaariges Ziegen⸗
fell umgeworfen. Da wo der Berg jäh nach Süden hin abfällt,
war ein alter Erdwall gezogen, dort machte Audifax Halt —
ſie waren vor dem Herbſtwind geſchützt. Er ſtreckte ſeinen Arm
in gerader Richtung aus: Ich meine, hier ſoll's ſein! ſprach er.
Wir müſſen noch lang warten, bis Mitternacht.
Hadumoth ſprach nichts. Die beiden ſetzten ſich dicht neben⸗
einander. Der Mond war aufgegangen, ſein Licht zitterte durch
halbdurchſichtiges Gewölk. Auf der Burg oben waren etliche
Fenſter hell, ſie ſaßen wieder über dem Virgilius droben...
am Berg war's ſtill, ſelten ſtrich der Schleiereule heiſerer Ruf
herüber. Nach langer Friſt fragte Hadumoth ſchüchtern: Wie
wird's werden, Audifax?
Ich weiß nicht, war die Antwort. Es wird einer herkom⸗
men und wird ihn herbringen, oder die Erde tut ſich auf, und
wir ſteigen hinunter, oder...
Sei ſtill, ſprach Hadumoth, ich fürcht' mich.
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