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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0120
Audifax. 119

einand durchs dichte Gehölz nordwärts, es war ein dunkler
Tannenwald, ſie kannten den Pfad. Niemand war des Weges.
Nur ein alter Fuchs ſtand lauernd auf einem Rain, aber er
war vom Erſcheinen der beiden Kinder ſo wenig befriedigt,
als dieſe von den ſchnell verflogenen Sternſchnuppen.
Auch bei Füchſen kommt oft etwas ganz anderes, als ſie
wünſchen und erwarten. Darum zog er ſeinen Schweif ein und
ſchlug ſich ſeitwärts.
Sie waren eine Stunde weit gegangen, da ſtunden ſie vor
dem Fels Hohenkrähen. Zwiſchen Bäumen verſteckt ſtund ein
ſteinern Häuslein; ſie hielten. Der Hund wird Laut geben!
ſprach Hadumoth. Aber kein Hund rührte ſich. Sie traten
näher, die Tür ſtand offen.
Die Waldfrau iſt fort! ſprachen ſie. Aber auf dem Fels
Hohenkrähen brannte ein verglimmend Feuerlein. Dunkle Ge⸗
ſtalten regten ſich. Da ſchlichen die Kinder den Felspfad hinauf.
Schon ſtand ein heller Luftſtreif hinter den Bergen am
Bodenſee. Es ging ſteil in die Höhe. Oben, wo das Feuer
glimmte, war ein Felſenvorſprung. Eine breitgipflige Eiche
breitete ihre dunklen Äſte aus. Da duckten ſich Audifax und
Hadumoth hinter einen Stein und ſchauten hinüber. Es war
ein Tier geſchlachtet worden, ein Haupt, wie das eines Pferdes,
war an den Eichſtamm genagelt, Spieße ſtanden über dem
Feuer, Knochen lagen umher. In einem Gefäß war Blut.
Um einen zugehauenen Felsblock ſaßen viel Männer, ein
Keſſel mit Bier ſtand auf dem Stein ¹²0⁰), ſie ſchöpften daraus
mit ſteinernen Krügen. L
An der Eiche kauerte ein Weib. Sie war nicht ſo lieb⸗
reizend wie jene alemanniſche Jungfrau Biſſula, die dem römi⸗
ſchen Staatsmann Auſonius einſt trotz ſeiner ſechzig Jahre das
Herz berückte, daß er idyllendichtend auf ſeiner Präfekturkanzlei
einherſchritt und ſang: „ſie iſt von Augen himmelblau, und
golden das rötliche Haar, ein Barbarenkind, hoch über allen
Puppen Latiums, der ſie malen will, muß Roſen und Lilien
miſchen ¹2¹).“ Das Weib auf dem Hohenkrähen war alt und

ſtruppig.


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