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Die Waldfrau. 123
aber ſahen, daß ihre Sache nichts war, und bekehrten ſich 44).
Verſtändig ſein heißt nicht lau im Glauben ſein ..
Das war damals... begann Ekkehard.
Und itzt — fiel ihm Frau Hadwig ins Wort, itzt ſteht die
Kirche aufgerichtet vom Rhein bis ans nördliche Meer, ſtärker
als die Kaſtelle der Römer zieht ſich eine Kette von Klöſtern
durchs Land, Feſtungen des Glaubens; bis in die Wildniſſe
des Schwarzwalds iſt längſt das Wort chriſtlicher Bekenner ge⸗
drungen, was wollt Ihr mit den Nachzüglern vergangener
Zeiten ſo ſchweren Kampf fechten ¹²5)?
So belohnet ſie denn, ſprach Ekkehard bitter.
Belohnen? ſagte die Herzogin. Zwiſchen Entweder und Oder
führt noch manches Sträßlein. Wir müſſen einſchreiten gegen
den nächtlichen Unfug. Warum? Kein Reich mag gut beſtehen
bei zweierlei Glauben, das führt die Gemüter gegen einand
in Schlachtordnung und iſt unnötig, ſolange draußen Feinde
genug lauern. Des Landes Geſetz hat ihnen das törige Weſen
unterſagt, ſie ſollen merken, daß unſer Gebot und Verbot nicht
in Wind geſprochen iſt.
Ekkehard ſchien von dieſer Weisheit nicht befriedigt. Ein
Zug von Mißmut flog über ſein Antlitz.
Höret, fuhr die Herzogin fort, was iſt Eure Meinung von
der Zauberei überhaupt?
Die Zauberei, ſprach Ekkehard mit Ernſt und ſchwerem Atem⸗
zug, der auf den Vorſatz einer längeren Rede zu deuten ſchien,
iſt eine verdammliche Kunſt, wodurch der Menſch ſich die Dä⸗
monen, die allenthalb in der Natur walten und niſten, dienſt⸗
bar macht. Auch im Unlebendigen ruht Lebendiges verborgen,
wir hören es nicht und ſehen es nicht, aber verführend weht es
an unbewachtes Gemüt, mehr zu erfahren und mehr zu wir⸗
ken, als ein treuer Knecht Gottes erfahren und wirken kann
— das iſt das alte Blendwerk der Schlange und der Mächte
der Finſternis; wer ſich ihnen zu eigen macht, kann ein Stück
von ihrer Gewalt erlangen, aber er herrſcht über die Teufel
durch deren Oberſten und verfällt ihm, wenn ſeine Zeit aus
iſt. Darum iſt die Zauberei ſo alt wie die Sünde, und ſtatt
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