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Die Waldfrau. 127
Und wir ziehen ſtumm, ein geſchlagen Heer,
Erloſchen ſind unſere Sterne —
O Island, du eiſiger Fels im Meer,
Steig auf aus nächtiger Ferne.
Steig auf und empfah unſer reiſig Geſchlecht —
Auf geſchnäbelten Schiffen kommen
Die alten Götter, das alte Recht,
Die alten Nordmänner geſchwommen.
Wo der Feuerberg loht, Glutaſche fällt,
Sturmwogen die Ufer umſchäumen:
Auf dir, du trotziges Ende der Welt,
Die Winternacht woll'n wir verträumen!
Ekkehard war indes draußen abgeſtiegen und hatte ſein Roß
an eine Tanne gebunden. Jetzt trat er über die Schwelle; ſcheu
ging Audifax hinter ihm drein. Die Waldfrau warf das Ge⸗
wand über den Stein, faltete die Hände in ihren Schoß und
ſah ſtarr dem eintretenden Mann im Mönchsgewand entgegen.
Sie ſtand nicht auf.
Gelobt ſei Jeſus Chriſt! ſprach Ekkehard als Gruß und
Ablenkung etwaigen Zaubers. Unwillkürlich ſchlug er den Dau⸗
men der Rechten ein und ſchloß die Hand, er fürchtete das böſe
Auge ¹²8) und ſeine Gewalt; Audifax hatte ihm erzählt, die
Leute ſagten von ihr, daß ſie mit einem Blick ein ganzes
Grasfeld dürre zu machen vermöge.
Sie antwortete nicht auf den Gruß.
Was ſchafft Ihr Gutes? hub Ekkehard das Geſpräch an.
Einen Rock beſſern, ſprach die Alte, er iſt ſchadhaft ge⸗
worden.
Ihr ſucht auch Kräuter?
Such' auch Kräuter. Seid Ihr ein Kräutermann? Dort
liegen viele: Habichtskraut und Schneckenklee, Bocksbart und
Mäuſeohr, auch dürrer Waldmeiſter, ſo Ihr begehrt.
Ich bin kein Kräutermann, ſprach Ekkehard. Was macht
Ihr mit den Kräutern?
Braucht Ihr zu fragen, wozu Kräuter gut ſind? ſprach die
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