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13⁰ Neuntes Kapitel.

Ihr nicht verſtehen, die Ihr das Haupt kahl geſchoren traget.
Der Stein iſt draus geſtanden auf dem Felsvorſprung, es war
ein zugerichteter Platz und wird mancher in alten Tagen dort
gekniet haben, aber itzt hat ſich keiner mehr um ihn gekümmert,
die Leute des Waldes haben Holzäpfel drauf gedörrt und Späne
drauf geſpalten, wie's kam, und des Regens Unbill hat die
Bilder verwaſchen. Der Stein dauert mich, hat meine Mutter
geſagt, es war einmal was Heiliges; aber die Knochen derer,
die den Mann drauf gekannt und verehrt haben und den Stein,
ſind längſt weiß gebleicht, — es wird ihn frieren den Mann
mit dem fliegenden Mantel. Da haben wir ihn ausgehoben und
an den Herd geſtellt: er hat uns noch kein Leids gebracht.
— Wir wiſſen, wie es den alten Göttern zu Mut iſt, unſere
gelten auch nicht mehr. Laßt Ihr dem Stein ſeine Ruhe!
Eure Götter? fuhr Ekkehard in ſeinem Fragen fort — wer
ſind Eure Götter?
Das müßt Ihr wiſſen, ſprach die Alte. Ihr habt ſie ver⸗
trieben und in See gebannt: in der Fluten Tiefe liegt alles
begraben, der Hort alter Zeit und die alten Götter, wir ſehen
ſie nicht mehr und wiſſen nur noch die Plätze, wo unſere Väter
ſie verehrt, eh' der Franke kam und die Männer in den Kutten.
Aber wenn der Wind die Wipfel des Eichbaums droben ſchüt⸗
telt, dann kommt's wie Stimmen durch die Lüfte, das iſt ihr
Klagen — und in gefeiten Nächten rauſcht und brauſet es, und
der Wald leuchtet, Schlangen winden ſich an den Stämmen
empor, da jagt's über die Berge wie ein Zug verzweifelter
Geiſter, die nach der alten Heimat ſchauen...
Ekkehard bekreuzte ſich.
Ich ſag's, wie ich's weiß, ſprach die Alte. Ich will den Hei⸗
land nicht beleidigen; aber er iſt als ein Fremder ins Land
gekommen, Ihr dienet ihm in fremder Sprache, die verſtehen
wir nicht. Wenn er auf unſerem Grund und Boden erwachſen
wäre, dann könnten wir zu ihm reden und wären ſeine treueſten
Diener, und es ſtünd' beſſer ums alemanniſche Weſen.
Weib! rief Ekkehard zürnend, wir werden Euch verbrennen
laſſen ...


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