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Die Waldfrau. 131
Wenn's in Euren Büchern ſteht, war die Antwort, daß das
Holz des Waldes aufwächſt, um alte Frauen zu verbrennen:
ich hab genug gelebt. Der Blitz hat neulich Einkehr bei der
Waldfrau genommen — fuhr ſie fort und deutete auf einen
ſchwärzlichen Streif an der Wand — der Blitz hat die Wald⸗
frau verſchont.
Sie kauerte am Herd nieder und blieb ſtarr und unbe⸗
weglich ſitzen. Die glühenden Kohlen warfen ein ſcharfes
Streiflicht auf die runzligen Züge.
Es iſt gut! ſprach Ekkehard. Er verließ die Stube. Audifax
war froh, als er wieder blauen Himmel über ſich ſah. Dort
ſind ſie geſeſſen! ſprach er und deutete den Berg hinauf. Ich
werd's anſehen, ſprach Ekkehard. Du gehſt zum hohen Twiel
zurück und beſtellſt zwei Knechte her mit Hacke und Beil und
Otfried, den Diakon von Singen, er ſoll eine Stola mit⸗
bringen und ſein Meßbuch.
Audifax ſprang davon. Ekkehard ſtieg auf den Hohenkrähen.
In der Burg zu Hohentwiel war indes die Herzogin an der
Mittagstafel geſeſſen. Sie hatte oft unſtet herumgeſchaut, als
wenn ihr etwas fehle. Die Mahlzeit war kurz. Wie Frau
Hadwig mit Praxedis allein war, hub ſie an:
Wie gefällt dir unſer neuer Lehrer, Praxedis?
Die Griechin lächelte.
Rede! ſprach die Herzogin gebietend.
Ich hab' in Konſtantinopolis ſchon manchen Schulmeiſter
geſehen, ſprach Praxedis wegwerfend.
Frau Hadwig drohte mit dem Finger: Ich werd' dich aus
meinen Augen verbannen ob ſo unehrerbietiger Rede. Was haſt
du über Schulmeiſter zu läſtern?
Verzeihet, ſprach Praxedis, es iſt nicht ſchlimm gemeint. Aber
wenn ich ſo einen Mann der Bücher ſehe, wie der ernſthaft
einherſchreitet und einen Anlauf nimmt, um aus ſeinen Schrif⸗
ten das herauszugraben, von dem wir ungefähr auch ahnen,
daß es kommen muß, und wie er mit ſeinen Pergamenten zu⸗
ſammengewachſen iſt, als wär's ihm angetan worden, und
ſeine Augen nur für die Buchſtaben einen Blick haben und
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