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132 Neuntes Kapitel.
kaum für die Menſchen, die um ihn ſind: ſo ſteht mir das
Lachen nahe. Wenn ich nicht weiß, ob Mitleid am rechten
Platze, ſo lach' ich. Des Mitleids wird er auch nicht bedürfen,
er verſteht ja mehr als ich.
Ein Lehrer muß ernſt ſein, ſagte die Herzogin, das gehört
dazu, wie der Schnee zu unſern Alpen.
Ernſt, jawohl! erwiderte die Griechin, in dieſem Land, wo
der Schnee die Berggipfel deckt, muß alles ernſt ſein. Wär' ich
doch gelehrt wie Herr Ekkehard, um Euch zu ſagen, was ich
meine. Ich meine, man ſollte auch im Scherz lernen können,
ſpielend, ohne den Schweißtropfen der Anſtrengung auf der
Stirn — was ſchön iſt, muß gefallen und wahr zugleich ſein.
Ich meine, das Wiſſen iſt wie Honig, Verſchiedene können ihn
holen, der Schmetterling ſummt um den Blumenkelch und findet
ihn auch, doch ſo ein deutſcher weiſer Mann kommt mir vor
wie ein Bär, der ſchwerfällig in den Bienenſtock hineingreift
und die Tatzen leckt — ich hab' an Bären kein Gefallen.
Du biſt ein leichtſinnig Mägdlein, ſprach Frau Hadwig,
und unluſtig des Lernens. Wie gefällt dir denn Ekkehard
ſonſt — ich meine, er, ſei ſchön?
Praxedis ſah zu ihrer Gebieterin hinüber: Ich hab' noch
keinen Mönch drum angeſchaut, ob er ſchön ſei.
Warum?
Ich hab's für unnötig gehalten.
Du gibſt heute ſonderbare Antworten, ſprach Frau Hadwig
und erhob ſich. Sie trat ans Fenſter und blickte nordwärts.
Jenſeits der dunkeln Tannenwälder ſchaute in plumper Steile
der Fels von Hohenkrähen zu ihr herüber.
Der Hirtenbub war vorhin da, er hat Leute hinüber beſtellt,
ſprach Praxedis.
Der Nachmittag iſt mild und ſonnig geworden, ſagte die Her⸗
zogin, laß die Pferde rüſten, wir wollen hinüber reiten und
ſehen, was ſie treiben. Oder — ich hab' vergeſſen, daß du dich
über die Mühſal beklagt im Sattel zu ſitzen, da wir vom heiligen
Gallus heimkehrten: ich werd' alleine ausreiten ...
Ekkehard hatte ſich auf dem Hohenkrähen den Schauplatz
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