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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_sw5/0134
Die Waldfrau. 133

des nächtlichen Gelages betrachtet. Wenig Spuren waren übrig.
Das Erdreich um den Eichbaum war rötlich angefeuchtet. Reſte
von Kohlen und Aſche deuteten auf den Feuerplatz. In den
AÄſten der Zweige ſah er mit Befremden da und dort kleine
Wachsbilder von menſchlichen Gliedmaßen verſteckt hangen,
Füße und Hände, Abbilder von Pferden und Kühen, — Ge⸗
löbniſſe für Heilung von Krankheit an Menſchen und Tier, die
der bäuerliche Aberglaube damals noch am altersgeweihten
Baume lieber löſte als in der Kirche des Tales.
Zwei Männer mit Haugeräte kamen heran. Wir ſind be⸗
ſtellt, ſprachen ſie. Vom Hohentwiel? fragte Ekkehard. — Wir
arbeiten der Herrſchaft, unſer Sitz iſt drüben am Hohenhöwen,
wo der Rauch der Kohlenmeiler aufſteigt.
Gut, ſagte Ekkehard, ihr ſollt mir die Eiche hier fällen.
Die Männer ſahen ihn verlegen an. Vorwärts, rief er, und
ſputet euch! Bis die Nacht anbricht, muß ſie umgehauen liegen.
Da gingen die zwei mit ihren Beilen zu der Eiche hin. Mit
offenem Munde ſtanden ſie vor dem ſtolzen Baum. Einer ließ
ſein Beil zur Erde fallen.
Kommt dir der Platz nicht bekannt vor, Chomuli? frug er
ſeinen Nebenmann.
Warum bekannt, Woveli?
Der Holzhacker deutete nach Sonnenaufgang, ſetzte die ge⸗
ballte Rechte an den Mund, hob ſie, als wenn er trinke, und
ſprach: Darum, Chomuli.
Da ſah der andere nach Ekkehard hinunter und zwinkte mit
dem Aug': Wir wiſſen von nichts, Woveli! Aber er wird's
wiſſen, Chomuli, ſprach der erſte. Abwarten, Woveli, ſagte
der andere.
Es iſt Sünd' und ſchade, fuhr ſein Gefährte fort, um den
Eichbaum, ſchon an die zweihundert Jahr ſteht er und hat
manch luſtig flackend Mai⸗ und Herbſtfeuer erlebt. Ich bring's
ſchier nicht über's Herz, Chomuli.
Sei kein Tor, tröſtete der andere und tat den erſten Hieb,
wir müſſen dran. Je ſchärfer wir dem Baum ins Fleiſch hauen,
deſto weniger glaubt's der in der Kutte dort, daß wir ſelber


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