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13⁴ Neuntes Kapitel.

in nächtlicher Andacht unter ſeinen Wipfeln ſaßen. Und der
Strafſchilling?!... Klug muß der Menſch ſein, Woveli!
Das leuchtete dem erſten ein. Klug muß der Menſch ſein,
Chomuli! ſprach er und hieb auf den Baum ſeiner Verehrung.
Zehn Tage vorher hatte er ein Wachsbild dran gehängt, daß
ihm ſeine braune Kuh vom Fieber geneſe. — Die Späne flogen,
in dumpfem Takt krachten die einſchlagenden Hiebe der beiden.
Der Diakon von Singen war auch herübergekommen mit
Meßbuch und Stola. Ekkehard winkte ihm, daß er mit eintrete
zur Waldfrau. Die ſaß noch ſtarr an ihrem Herde. Ein ſcharfer
Windzug erhob ſich, da die beiden durch die geöffnete Tür ein⸗
traten, und verlöſchte ihr Feuer.
Waldfrau, rief Ekkehard gebietend, beſtellt Euer Haus und
ſchnüret Euren Bündel, Ihr müſſet fort.
Die Alte griff nach ihrem Stab und ſchnitt den dritten
Kerbſchnitt ein. Wer beſchimpft mich zum drittenmal, ſprach
ſie dumpf, und will mich aus meiner Mutter Hauſe werfen
wie einen herrenloſen Hund?
Im Namen der Herzogin in Schwaben, fuhr Ekkehard feier⸗
lich fort, ſpreche ich über Euch wegen Hegung heidniſchen Aber⸗
glaubens und nächtlichen Götzendienſtes die Verweiſung aus
Haus und Hof und Gau und Land aus. Euer Stuhl ſei geſetzt
vor die Tür Eurer Hütte, ziehen ſollt Ihr unſtet, ſoweit der
Himmel blau iſt, ſoweit Chriſten die Kirche beſuchen, ſoweit der
Falke fliegt am Frühlingstag, wenn der Wind unter beiden
Flügeln ihn dahin treibt. Kein gaſtlich Tor ſoll ſich Euch öffnen,
kein Feuer am Herd brenne für Euch, kein Waſſer des Quells
rauſche für Euch, bis daß Ihr Eures Frevels Euch abgetan
und Euren Frieden gefeſtet mit dem dreieinigen Gott, dem
Richter der Lebenden und Toten.
Die Waldfrau hatte ihm ohne große Erregung zugehört.
Ein geſalbter Mann wird dir dreimal Schimpf antun unter
deinem eigenen Dach, murmelte ſie, deß ſollſt du ein Zeichen in
den Stab ſchneiden und mit ſelbem Stab ſollſt du ausziehen
gen Niedergang, denn ſie werden dir nicht laſſen, wo du dein
Haupt niederlegeſt. O Mutter, meine Mutter!


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