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Die Waldfrau. 135
Sie raffte ihren Plunder in ein Bündel zuſammen, griff den
Stab und rüſtete ſich zu gehen. Den Diakon von Singen kam
eine Rührung an. Rufet Gott durch ſeine Diener um Ver⸗
zeihung an, ſprach er, und tut eine chriſtliche Pönitenz, daß
Ihr in Gnade geſund werdet.
Dufür iſt die Waldfrau zu alt ¹³⁰), ſagte ſie und lockte ihren
Specht, der flog ihr um die Schulter, und der Rabe hüpfte
ängſtlich hinter ihr drein; ſchon war die Tür aufgeriſſen, noch
einen Blick auf Wand und Herd und Kräuter und Pferdsſchädel
— ſie ſtieß den Stab auf die Schwelle, daß die Steinplatten
erdröhnten: Seid verflucht, ihr Hunde! klang's vernehmlich
den Zurückbleibenden; ſie wandte ſich mit ihren Vögeln dem
Walde zu und verſchwand.
Und wir ziehen ſtumm, ein geſchlagen Heer,
Erloſchen ſind unſere Sterne —
O Island, eiſiger Fels im Meer,
Steig auf aus nächtiger Ferne!
tönte leis murmelnder Geſang durch die entlaubten Stämme
herüber.
Ekkehard aber ließ ſich vom Diakon die Stola umhängen und
das Meßbuch vortragen, er hielt einen Umgang durch Stube
und Kammer, die Wände weihte er mit dem Zeichen des Kreu⸗
zes, auf daß das Getriebe böſer Geiſter gebannt ſei für immer,
dann ſprach er unter Gebeten den großen Exorcismus über
die Stätte.
Das fromme Werk hatte lang gedauert. Dem Diakon ſtand
der Angſtſchweiß auf der Stirn, als er Ekkehard die Stola wie⸗
der abnahm, er hatte ſo große Worte noch nie gehört. Jetzt
tönte Pferdegetrab durch den Wald.
Es war die Herzogin, von einem einzigen Diener geleitet.
Ekkehard ging ihr entgegen; der Diakon von Singen trat ſeinen
Heimweg an. Ihr ſeid lange ausgeblieben, rief die Herzogin
gnädig, ich muß wohl ſelber ſehen, was Ihr geſchlichtet und
gerichtet.
Die zwei Holzhauer hatten indes ihre Arbeit beendigt und
ſchlichen auf des Berges Rückſeite von dannen; ſie fürchteten
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